(de) fau.org: Griechenlands berühmte Seifenfabrik braucht internationale Unterstützung Hände weg von Vio.Me

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Tue Dec 1 10:46:38 CET 2015


Der seit 2011 von den Arbeitern besetzten und seit 2013 in Selbstverwaltung betriebenen 
Fabrik Vio.Me (??) droht seit längerer Zeit die Zwangsversteigerung. Gut 250 
Aktivist_innen gelang es am 26. Nov. 2015 durch die Blockade des Gerichtsgebäudes in 
Thessaloníki den erste Zwangsversteigerungstermin abzuwenden. Weitere Termine und erneute 
Mobilisierungen sind auf den 3. bzw. 10. Dez. terminiert. ---- Mit der Übernahme der 
Fabrik durch die ehemaligen Angestellten und der Umwandlung der Produktion, hin zu 
biologisch abbaubaren Wasch- und Reinigungsmitteln, mit der Produktion unter 
Arbeiterkontrolle und der Vollversammlung der Arbeiter als höchstes Entscheidungsorgan, 
mit der täglich erlebbaren gegenseitigen Hilfe der verschiedensten Initiativen in 
Griechenland und der Unterstützung der internationalen Solidaritätsbewegung, ist es den 
Vio.Me-Arbeitern gelungen ihr ökonomisches Überleben zu sichern. Gleichzeitig jedoch, und 
das ist der Grund für die andauernden Angriffe, stellt das Projekt die kapitalistischen 
Besitzverhältnisse und damit das Überleben des Systems an sich in Frage.

Durch die nun angesetzte Zwangsversteigerung des Betriebsgeländes will der 
Insolvenzverwalter die Forderungen der Gläubiger des insolventen Mutterkonzerns Filkeram 
Johnson eintreiben, um dessen Schulden bei Banken, Staat und privaten Gläubigern zu 
begleichen. Die Alteigentümer, die Familie Filippou, hatte die ursprünglich erfolgreiche 
Fabrik für Baumaterialien im Jahr 2011 in die Insolvenz getrieben und schon Monate zuvor 
die Lohnzahlungen eingestellt.

In den letzten Wochen hatten die Arbeiter zur Blockade der Zwangsversteigerung und einer 
internationalen Aktionswoche vom 17.11. - 24.11.2015 aufgerufen. Am Dienstag den 24. Nov. 
fand eine große Demonstration in Thessaloniki statt, an der sich verschiedenste politische 
Initiativen, soziale Zentren, besetzte Häuser und Gewerkschafter_innen beteiligten. Mit 
dabei waren entlassene Beschäftigte der lokalen Tageszeitung "Aggelioforos", die seit zwei 
Jahren gegen die Schließung und für die Wiedereröffnung ihres Werkes kämpfenden Arbeiter 
von Coca-Cola, Aktivist_innen der Karawane der Solidarität und Abgesandte der gegen den 
geplanten Goldabbau auf Chalkidikí kämpfenden Bevölkerung. "Von Vio.Me bis Chalkidikí, 
Krieg den Bossen auf der ganzen Welt", oder "Die Solidarität ist die Waffe der Völker, 
Krieg dem Krieg der Bosse", waren zwei der gerufenen Parolen. Am 25. Nov. hatte im 
Gewerkschaftshaus von Thessaloniki eine landesweite Versammlung zur Vorbereitung der 
Blockade-Aktion im Gerichtssaal stattgefunden.

Mit der erfolgreichen Blockade-Aktion der gut 250 Aktivist_innen am folgenden Tag wurde 
die Zwangsversteigerung der selbstverwalteten Fabrik vorerst verhindert. Entschlossene 
Vio.Me-Arbeiter und Aktivist_innen aus den Solidaritätsgruppen hatten sich teils in Ketten 
vor dem Gerichtssaal postiert und diesen dicht gemacht. Weitere direkte Aktionen sind für 
die nächsten Zwangsversteigerungstermine am 3. und 10. Dez. angekündigt. "Wir werden die 
Frabrik nicht verlassen. Die haben unser Leben zerstört und wir haben alleine gekämpft um 
wieder auf die Beine zu kommen. Wir werden es niemandem erlauben unser Leben erneut zu 
zerstören", betont Mákis Anagnóstou, einer der Vio.Me-Sprecher.

Von der Syriza-Anel-Regierung erwarten die Arbeiter nichts mehr. Seit Januar hatten sie 
vergeblich einen Termin im zuständigen Ministerium gefordert. Vor den Wahlen hatten sowohl 
Syriza als auch der jetzige Ministerpräsident Alexis Tsípras ihre Unterstützung zugesagt. 
Weder Syriza noch Tsípras wollen jetzt etwas davon wissen, Tsípras verweist seit seiner 
Wiederwahl im September auf die "Unabhängigkeit der Justiz".

Dabei sei jedes Urteil und jede Lösung "eine klar politische Entscheidung", so die 
Vio.Me-Arbeiter in einer Presseerklärung. Ihre Fabrik mache "nur knapp 1/7der zu 
versteigenden Fabrikanlagen aus" und sei "unkompliziert vom Rest abtrennbar". Den 
Alteigentümern der Familie Filíppou wurden im Übrigen vom Staat in der Vergangenheit ein 
Teil der Betriebsflächen umsonst übertragen, "als Anerkennug für die Schaffung von 
Arbeitsplätzen".
Ralf Dreis, Thessaloníki

http://www.fau.org/artikel/art_151128-090327


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