(de) FAU-IAA - Direct Action #223 - Minijob heißt nicht Minirechte -- Über die Potenziale der Organisierung von Minijobbenden

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Mon May 26 12:22:38 CEST 2014


Mit der Deregulierung des Bereichs der geringfügigen Beschäftigung im Zuge des Zweiten 
Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (Hartz II) hat sich die als Minijob 
bezeichnete Beschäftigungsform massiv ausgeweitet. In einigen Bereichen, wie etwa im 
Einzelhandel und der Gastronomie, sind inzwischen kaum noch Vollzeitbeschäftigte zu 
finden. Hinzu kommt die allgemein verbreitete, wenngleich falsche Haltung, dass Minijobs 
keine richtigen Arbeitsverhältnisse seien und folglich die Minijobbenden anders behandelt 
werden können. Gerade solch grundlegende Arbeitsrechte wie Urlaubsanspruch oder 
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden umfassend verweigert bzw. von den Minijobbenden 
selbst auch nicht eingefordert. Die Arbeitszeit ist häufig flexibel geregelt und bezahlt 
werden nur die geleisteten Schichten. Juristisch sieht die Sache aber ganz anders aus. 
Minijobs sind normale Arbeitsverhältnisse, beschränkt auf einen Höchstverdienst von 450 
Euro und nur sozialversicherungsrechtlich ergeben sich Besonderheiten. Das Arbeitsrecht 
gilt aber wie bei Vollzeitbeschäftigten. Es besteht sogar ein explizites 
Diskriminierungsverbot (§4 TzBfG).

Durch die Unwissenheit der Arbeitgebenden sowie der Beschäftigten bildet sich hier ein 
niederschwelliges gewerkschaftliches Einfallstor gerade für kleinere oder studentisch 
geprägte FAU-Syndikate. Hinzu kommt, dass dieser Bereich von den DGB-Gewerkschaften oft 
nur mangelhaft besetzt bzw. durch die Zuständigkeitsbereiche der Teilgewerkschaften sich 
selbst verbaut wird.

Folglich besteht enormes Potential für eine basisgewerkschaftliche Organisation und die 
Sammlung von Erfahrung im betrieblichen Kampf sowie im Arbeitsrecht. Ein Potential, 
welches auch die Anarchosyndikalistische Jugend (ASJ) für sich entdeckt und schon 
umfassend aufgearbeitet hat. Hier gilt es anzuknüpfen und praktische Gewerkschaftsarbeit 
zu leisten: Den Minijobbenden klar zu machen, dass sie ihren Bossen etwa 7% ihres Lohns 
schenken, wenn sie ihren Urlaub nicht einfordern. Oder aufzuzeigen, wie schnell sie in 
eine äußerst prekäre finanzielle Lage gebracht werden, wenn sie auf den Lohn angewiesen 
sind aber längere Zeit krank werden und eben keine Schichten arbeiten können. Die 
Rechtslage ist relativ eindeutig und entsprechend gering das Risiko, sich als kleines 
Syndikat zu übernehmen.

Die FAU Erfurt/Jena ist aktuell intensiv in diesen Bereich aktiv und konnte bereits einige 
Erfolge verbuchen. Neben der Eintreibung von Lohn in einen Café und Konflikten mit anderen 
Betrieben gelingt es neue Menschen - aus der linken Szene, wie auch über die Szene hinaus 
- über den Sinn und die Notwendigkeit von gewerkschaftlicher Organisation aufzuklären und 
sich als Ansprechpartnerin für Arbeitskonflikte zu etablieren.

Thomas Möller

Als Einstieg in die Thematik empfiehlt sich die Website der ASJ-Kampagne www.minijob.cc, 
auf der eine empfehlenswerte Broschüre mit allen arbeitsrechtlich relevanten Informationen 
und darüber hinausgehenden Hinweisen frei verfügbar ist.


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