(de) FdA/IFA Gai Dao N°41 - Mai 2014 Bericht vom FdA-Treffen in Mannheim Von: Anarchistische Gruppe Mannheim / Anarchistisches Netzwerk Südwest*

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Thu May 15 07:27:22 CEST 2014


Im März fand das Treffen der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) in 
Mannheim statt. Damit organisierte die Anarchistische Gruppe Mannheim bereits zum 5. Mal 
ein FdA-Treffen, diesmal mit Beteiligung von den umliegenden anarchistischen 
A-Netz-Mitgliedsgruppen aus Kaiserslautern/Kusel, Karlsruhe und Ludwigsburg. ---- Die 
Anarchistische Gruppe Mannheim besteht mittlerweile seit mehr als 11 Jahren und ist damit 
eine der ältesten noch aktiv arbeitenden anarchistischen Gruppen im deutschsprachigen 
Raum. Seit ihrer Gründung Anfang 2003 ist die Breite anarchistischer und libertärer 
Veranstaltungen und Kultur in Mannheim und Umgebung merklich gestiegen. Im Laufe ihres 
Bestehens war sie unter anderem aktiv beteiligt an der (Wieder-) Gründung der FdA, welche 
damals noch unter dem Namen Forum deutschsprachiger Anarchist*innen arbeitete, und 
veranstaltet neben unregelmäßigen Kulturveranstaltungen, der Sendung "Radio Libertad", 
Demonstrationen oder anderen Projekten seit 2011 alle zwei Jahre mit großem Erfolg die 
Anarchistische Buchmesse Mannheim mitsamt einem kleinen Rahmenprogramm.

In Mannheim und Umgebung arbeiten zudem ein große Anzahl
anderer politischer Gruppen aller Spektren - zum Beispiel die FAU
Mannheim, das Kritische Kollektiv / interventionistische Linke
Rhein-Neckar oder der AK Antifa - und neben den Veranstaltungen
der einzelnen Zusammenhänge gibt es auch immer wieder, teils kon-
stante, Vernetzungen und Bündnisse um gemeinsam das Stadtbild zu
beeinflussen.

Das jüngste dieser Bündnisse, "Wem gehört die Stadt?", beschäftigt
sich mit den zunehmend verschärften sozialen Fragestellungen in
Mannheim (vgl. "Recht auf Stadt") und strebt derzeit die Vernetzung
aller Stadtteilinitiativen und anderen Akteuren in Mannheim an.
Trotz zunehmender Repression und steigenden Umtrieben rechter
und faschistischer Gruppierungen und Organisationen zeigt sich,
dass in Mannheim weit mehr als nur die herrschende parlamentari-
schen Institutionen und Parteien die politische und kulturelle Land-
schaft ausmachen.

Am Treffen nahmen mehr als 30 Personen teil. Als Gäste konnten
Vertreter*innen vom Vrije Bond (Niederlande), dem A-Forum Köln,
der Libertären Aktion Frankfurt/Oder, der Anarchistischen Initative
Ortenau, e*vibes und Interessierte aus Münster begrüßt werden.

Bereits Freitag Abend fanden sich ein Großteil der Teilnehmenden im
ASV Mannheim ein. Da der offizielle Teil des Treffens erst Samstag
morgens begann, nutzen die anwesenden Leute die Zeit bei Vokü, Ki-
cker, kühlen Getränken und lockerer Atmosphäre um sich kennen-
zulernen, zu diskutieren oder auch alte Freundschaften zu vertiefen.

Das aktuelle Treffen hatte zum Schwerpunkt die Reflexion und Ver-
besserung der internen Strukturen und Beteiligung der Mitglieds-
gruppen. Bevor es zu diesem großen Themenblock kam, gab es
räumlich getrennt die Berichte der einzelnen Referate sowie eine
Einführung in die FdA für die Gäste, aber auch für neue Leute aus
den Mitgliedsgruppen. Informationen zur Geschichte, Struktur und
Entwicklung der Föderation, aktuelle thematische Schwerpunkte
und viel Raum für Rückfragen sollten für ein besseres Verständnis
und einen leichteren Einstieg in die Föderation und deren Themen
auf dem Treffen sorgen. In dieser Arbeitsgruppe entstand auch eine
interessante Diskussion über Gemeinsamkeiten und Unterschiede
zwischen der FdA und dem Vrije Bond, der Föderation aus den Nie-
derlanden.

Interessant zu erwähnen ist auch die neue Vertriebsstruk-
tur des Öffentlichkeitsreferats: In Zusammenarbeit mit anar-
chistischen Mailordern können bald FdA-Materialien bestellt
werden. Außerdem sollen möglichst alle Infoläden im Födera-
tionsgebiet kontaktiert werden. Sobald die Organisierung der Ver-
triebsstruktur abgeschlossen ist und neue Auflagen der FdA-Mate-
rialien gedruckt sind, wird das Konzept im Detail bekannt gegeben.
Nach einer kurzen Pause fing dann der erste strukturelle Themen-
block an: Anhand eines vor dem Treffen zur Vorbereitung erstellten
Diskussionspapiers sollte in 3 Arbeitsgruppen die Fragen Beteili-
gung an Entscheidungen, die Entscheidungsfindung in der Föderati-
on und Wege, wie eine Beteiligung der einzelnen Mitgliedsgruppen
bei Diskussionen und Projekten in der Föderation gefördert wer-
den kann. Neben vielen Anregungen und Ideen wurde besonders
ein Vorschlag aufgegriffen und genauer ausgearbeitet: Jede Gruppe
sucht sich einen "Buddy" aus, also eine Gesprächsperson für das
Thema Belastung und Wohlbefinden in der FdA. In regelmäßig statt-
findenden Treffen soll so Raum für Austausch, gemeinsame Prob-
lemlösungen und wachsenden Zusammenhalt geschaffen werden.

m zweiten Teil der Föderationsstrukturdiskussion (wiederum auf
Grundlage eines vorbereiteten Diskussionspapiers) wurden AGs zu
den Themen Kampagnenarbeit und Strategie gebildet. Eine weitere
Arbeitsgruppe befasste sich mit der inhaltlichen Auswertung und
Weiterentwicklung der Ergebnisse des ersten Themenblocks (Ent-
scheidungen, Beteiligung). In der AG Kampagnenarbeit wurde fest-
gehalten, dass Kampagnen von unten nach oben organisiert werden
sollen, d.h. lokale Gruppen und Zusammenhänge erarbeiten ein
Grundkonzept für sich und nutzen die Föderation, um weitere inter-
essierte Gruppen und Zusammenhänge zu erreichen und einbeziehen
zu können. Eine Befragung aller föderierter Gruppen nach Arbeits-
schwerpunkten oder vorhandenen Interessengebieten soll mögliche
Kampagnenthemen sichtbar machen. Die AG Strategie befasste sich
mit einer Erweiterung anarchistischer Gruppenarbeit, die bisher eher
auf Bildungsarbeit (Vorträge, Diskussionen, Theorietexte) und Akti-
onen (Demonstrationen, Interventionen, Unterstützungsarbeit, kul-
turelle Veranstaltungen) fokussiert ist. Praktische, selbstverwaltete,
unkommerzielle Alternativstrukturen werden zwar ebenfalls orga-
nisiert (z.B. Voküs, soziale Zentren, Umsonstläden). Allerdings könn-
te eine größtmögliche Ausweitung auf alle Bereiche des Zusammen-
lebens (Lebensmittelanbau, Kleidung, Werkstätten, Kinderbetreuung,
Weiterbildungsräume, Bibliotheken, freie Schulen, Treffpunkte, etc.)
anarchistische Theorie einem breiteren Kreis (auch außerhalb der
sogenannten Szene) in der Praxis erfahrbar machen, Aktive länger
in den Projekten halten und vor Krisenzeiten unabhängiger werden.

Hier entstand eine kontrovers und lebendig geführte Diskussion, die
auch in den nächsten Monaten weiter geführt werden soll.

Weitere Themen am Samstag waren die Vorstellung einer Antimilita-
rismuskampagne, der im Oktober stattfindende Anarchafeminismus-
kongress in London sowie die Möglichkeit des Austauschs über die
Berichte der föderierten Gruppen und Netzwerke. Nach einem langen
Plenumstag konnten sich die Teilnehmenden abends bei veganem Es-
sen und Baratmosphäre im ASV erholen.

Am nächsten Morgen standen zunächst organisatorische Fragen im
Mittelpunkt. Auf die Vergabe der einzelnen Referatsmandate folgte
u.a. ein kurzer Hinweis auf das diesjährige selbstverwaltete Action,
Mond und Sterne Camp Ende August im Schwarzwald und die Mög-
lichkeit sich bei der Organisation zu beteiligen. Zuletzt konnten die
Teilnehmenden in Arbeitsgruppen entweder über aktuelle Themen
der Internationalen der anarchistischen Föderation (IFA) diskutieren
oder sich mit der Organisation und Weiterentwicklung der Gaidao
- der Monatszeitschrift der FdA - befassen. In dieser Arbeitsgruppe
ging es u.a. um die Vertriebsstruktur (Kontakte für Druck und Ver-
trieb der Gaidao in Österreich werden immer noch gesucht) und wie
die Zeitschrift noch bekannter gemacht werden kann. Trotz leicht
rückläufiger Abozahlen für die Printausgabe (bei einer hohen Nut-
zung der kostenlosen Online-Ausgabe) soll es auch weiterhin eine
gedruckte Ausgabe der Zeitung geben.

Am Ende des Treffens konnten alle Beteiligten auf ein selbstkriti-
sches, anstrengendes, aber auch produktives Treffen zurückblicken.


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