(de) FdA-IFA Gai Dao #38 - Nachrichten aus dem Strafvollzug -- Eine Nachbetrachtung Von: Karl T. Offel und Frank Tenkterer

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Sun Feb 9 10:43:49 CET 2014


Einleitung (Frank Tenkterer) ---- Im Rahmen der Kampagne "Zeit für Plan A" lud die Freie 
Arbeiter*innen Union Düsseldorf am 13.11.2013 zur Lesung ein. Rund 15 Gäste hatten sich 
eingefunden und lauschten dem engagierten Vortrag und nutzten anschließend die Gelegenheit 
noch einige Fragen zu stellen und das gehörte zu diskutieren. Soweit zu den nackten 
Fakten. Jetzt aber zu dem Erlebnisbericht von Karl: ---- Unglaublich inspirierend. ---- 
Klingt blöd, ist aber das am besten passende, was mir zu der Lesung aus Thomas Meyer-Falks 
Buch "Nachrichten aus dem Strafvollzug" einfällt. Mit zu diesem Eindruck beigetragen hat 
bestimmt auch die von Uwe Neubauer ausgesprochen gut vorgetragene Textauswahl.

Was war daran so besonders? Ich konnte mir vorher nicht vorstel-
len, dass jemand mit so wenigen verständlichen und dazu manch-
mal bitter-komischen Szenen die Hauptthesen aus Michel Foucaults:
"Überwachen und Strafen!" rüberbringen könnte... und nicht nur die

Was sonst nur akademisch diskutiert wird, illustriert Thomas Mey-
er-Falk klarsichtig mit seinem eigenen Erleben im Knast. Anhand des
Verbots von Mohnbrötchen zeigt er, wie Herrschaftsmechanismen
durchexekutiert werden. Letztlich warum die Verhältnisse "drinnen"
strukturbildende Funktion für die Gesellschaft "draußen" haben.

Er bleibt aber nicht bei den eigenen Erlebnissen stehen und er ist
weit davon entfernt eine Märtyrerrolle einzunehmen. Ganz im Ge-
genteil ist er geradezu rücksichtslos analytisch - rücksichtslos de-
nen gegenüber, die lieber an Mythen festhalten und sich nur für
"unschuldige Opfer", einsetzen wollen. Er stellt auch die strukturelle
Gewalt dar, die denen widerfährt, die nicht gerade als Werbefigur
für eine Gesellschaft ohne Knäste taugen: Kinderschänder*innen,
Frauenmörder*innen und ähnliche Unsympath*innen.

So radikal zu denken ist sicherlich nicht weit verbreitet und offen-
sichtlich für manche nicht auszuhalten. Zumindest die deutsche Jus-
tiz bescheinigt Thomas Meyer-Falk eine so hohe Gefährlichkeit, dass
sie ihn auf unbestimmte Zeit (ggf. bis zu seinem Tod) in der geschlos-
senen Psychiatrie in sogenannter Sicherungsverwahrung einsperrt.

Jetzt will ich nicht hinter seine Analyse zurücktreten und auf seine
Unschuld oder Ungefährlichkeit abheben - wohl aber mit einer ana-
lytischen Frage enden.

Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn sie Menschen für etwas
einsperrt, was sie vielleicht in Zukunft tun könnten?

Die Veranstaltung war auch deshalb so gut, weil sie sich getraut hat
Fragen aufzuwerfen, auch wenn die Antwort (noch) nicht klar ist.

Wer sich da mal an die Grenzen der eigenen Radikalität vorwagen
möchte, dem sei das Buch von Thomas Meyer-Falk wärmstens emp-
fohlen.

Thomas Meyer-Falk: "Nachrichten aus dem Strafvollzug"
(Herausgegeben von Jerk Götterwind im Blaulichtverlag 2010 - 9,80.-)


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