(de) DIREKTE AKTION 218 - Auf Pilgerfahrt zum Tarifvertrag -- Kleiner Einblick in die christliche Gewerkschaftslandschaft

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Sun Sep 1 10:05:20 CEST 2013


Der 1. Mai als symbolträchtiger Tag diente dieses Jahr nicht nur wie üblich der 
Traditionspflege von DGB bis Radikale Linke. Es war auch der Tag an dem sich Teile des 
"Verband kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" (VKM) offiziell in eine 
Kirchengewerkschaft, "Gewerkschaft für Kirche und Diakonie - vkm Deutschland", umbenannt 
haben. Zumindest drei lokale VKM-Verbände haben diesen Schritt vollzogen. Für die neue 
christliche Kleinstgewerkschaft ist es erklärtes Ziel, Tariffähigkeit zu erlangen und 
Verträge abschließen zu können, jedoch in klarer Anerkennung des "dritten Weges" ohne 
Streik und als "Partner aller Institutionen der Kirche und Diakonie". Nach eigenen Worten 
fühlt sie sich ebenso verantwortlich für die "Erfüllung des Auftrages der Kirche". Vier 
weitere Regional- und Landesverbände bilden die Dachorganisation VKM-D, aus der die neue 
Kirchengewerkschaft hervorgegangen ist, die sich aber nicht als Gewerkschaft bezeichnet.

  Daneben gibt es weitere regionale VKM-Strukturen, die offenbar weder der einen noch 
anderen Gruppierung angehören, sich aber dennoch als Gewerkschaft bezeichnen.

Die christliche Gewerkschaftslandschaft ist nicht nur durch den gelben christlichen 
Gewerkschaftsbund ein verwirrendes Feld. In Niedersachsen gibt es seit einigen Jahren 
einen ,,Mitarbeitervertretungsverband (MVV) für die Konföderation Evangelischer Kirchen in 
Niedersachsen e.V." der vor zwei Jahren den Schritt zur Eigenbezeichnung als Gewerkschaft 
tätigte, um auf "Augenhöhe" zu verhandeln. Um Tarifverträge versteht sich. Als 
Partnergewerkschaften wird neben ver.di auch der vkm genannt - die ,,Gewerkschaft für 
Kirche und Diakonie". Der MVV hat laut Eigenangaben 1200 Mitglieder und ist ein bisher auf 
Niedersachsen begrenzter Verband. Auch der MVV bleibt, wie der vkm, aber in der 
Eigenbeschränkung auf den dritten Weg grundsätzlich in der Sackgasse. Insbesondere seitdem 
ver.di vor einigen Jahren die paritätischen Arbeits- und Dienstrechtlichen Kommissionen 
verlassen hat, konzentrierte der Verband sich auf diese, um darauf hinzuwirken, 
Tarifverträge abschließen zu können.

Tarifverträge ohne Streik, ein Passionsweg für die Kleinstgewerkschaften. Neben der 
umbenannten ,,Gewerkschaft für Kirche und Diakonie" (vkm) gibt es noch die GKD, 
Gewerkschaft Kirche und Diakonie. Als einzige tritt diese gegen das kirchliche 
Arbeitsrecht auf und favorisiert auch im Bereich Kirche die Anwendung des allgemeinen 
Arbeitsrechts und des Betriebsverfassungsgesetz. Gräben entstehen dadurch anscheinend 
nicht, schließlich fanden nach Informationen des vkm Gespräche zwischen ihr, der MVV und 
der GKD statt. Erörtert wurden die Möglichkeiten für eine neue "tariffähige 
Kirchengewerkschaft für den Bereich der verfassten Kirche, evangelisch als auch 
katholisch, sowie ihrer Diakonie und Caritas". Es ist fraglich, ob die 
Kirchengewerkschaften auf den streikfreien, ultra-sozialpartnerschaftlichen Weg zu ihrem 
Ziel eines eigenen Tarifvertrages kommen. Außer der GKD, die in Tarifgemeinschaften mit 
ver.di und GEW diesem "Traum" ein Stück näher ist, ist man allgemein doch noch sehr weit 
entfernt.

Carsten Sczyk


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