(de) 19.6.: "Die wilden Schafe": Lesung mit Werner Portmann

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Sun Jun 7 18:04:57 CEST 2009


Liebe Freundinnen und Freunde, ---- gerne machen wir euch auf unsere 
letzte Veranstaltung vor der Sommerpause aufmerksam:

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"DIE WILDEN SCHAFE": Lesung mit Werner Portmann
Freitag, 19.6., 20 Uhr
BlackBox, Albrechtstrasse 1, Winterthur (CH) -> Lageplan auf 
www.blackbox.ch.tc
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Das Buch „Die wilden Schafe“ (Unrast-Verlag 2008) erinnert an zwei fast 
vergessene radikale jüdische Aktivisten und Theoretiker:
Siegfried und Max Nacht, die sich später Stephen Naft und Max Nomad 
nannten, gehören in der Geschichte der radikalen europäischen und 
amerikanisch/jüdischen ArbeiterInnenbewegung - und nicht nur dort - zu 
den interessantesten Figuren. Ihre Texte, teilweise unter Pseudonym 
geschrieben, sind Bestandteil eines radikalen, gesellschaftskritischen 
Diskurses geblieben, der sich gegen jede Art von Herrschaft und 
Totalitarismus wendet. Der Diskurs, der anhand ihrer Schriften, z.B. 
über Formen der ‚Direkten Aktion‘, geführt wurde und wird, findet aber 
ohne Kenntnis der eigentlichen Geschichte und der biographischen 
Hintergründe der Verfasser statt. Denn bis heute sind ihre spannenden 
Lebensgeschichten nicht aufgearbeitet worden. Das Buch ist ein 
erstmaliger Versuch, die Biographien von Max Nomad und Siegfried Nacht 
nachzuzeichnen. Es untersucht ihre Lebenswege, die von Buczacz, einem 
ostgalizischen Schtetl über Zürich, Paris und London nach New York 
führten und zeigt ihren praktischen und theoretischen Einfluss auf 
verschiedene Bewegungen.
Dabei wird dokumentiert, wie Siegfried Nacht im deutschen Sprachraum 
einen wesentlichen Beitrag leistete zur Bekanntmachung und Verbreitung 
des revolutionären Syndikalismus, inspiriert von der spanischen und 
französischen syndikalistischen ArbeiterInnenbewegung. Ebenso wird die 
damit verbundene antimilitaristische Propaganda in verschiedenen Ländern 
untersucht.


Das Buch thematisiert Siegfried Nachts Freundschaft mit Rudolf Rocker 
und dessen Einfluss auf ihn. Ebenso seine Rolle im Leben und Werk von 
Max Nettlau, dem er - wie auch sein Bruder Max - wichtige existentielle 
Hilfe leistete. Daneben wird Max Nachts Mitwirken bei der Verbreitung 
anarchistischer Ideen in Galizien und seine zeitweilige Arbeit im 
russischen Untergrund beleuchtet. Weiter geht das Buch auf Max Nachts, 
in späten Jahren entwickelten, "skeptischen Anarchismus" ein, der sich 
aus den Ideen des polnisch-russischen Revolutionärs Jan Waclav Makhaïski 
speist. Noch immer könnte dieser "skeptische Anarchismus" ein wichtiger 
Diskussionsbeitrag für alle diejenigen sein, die nicht ausschliessen, 
dass die AnarchistInnen von heute die ChefInnen von morgen sein könnten 
und für die es keine heiligen Kühe der Kritik und Selbstkritik gibt. Max 
Nachts manchmal polemische Beurteilung des Anarchismus, gehört trotz 
aller Überzeichnungen bis heute zum Besten, Ehrlichsten und Radikalsten, 
was gegen den Anarchismus geschrieben wurde und zeugt von einer gewissen 
Hassliebe von einem, der sich längst nicht mehr als Anarchist verstand, 
aber im Innersten nie die Hoffnung auf eine herrschaftslose Gesellschaft 
aufgegeben hat.
Das Buch ist nicht zuletzt ein Versuch, sich den Beiden anhand ihrer 
jüdischen Identität oder Nicht-Identität zu nähern. Zweier Juden ohne 
Gott, die sich immer als Assimilisten betrachtet haben, die auf und in 
die jüdische Kultur keine grosse Hoffnung mehr setzten und trotzdem 
lebenslang im Disput mit dieser Kultur und ihren ExponentInnen standen 
und nie aufhörten, sich in ihrem Umfeld zu bewegen.



Über euren Besuch freuen wir uns!


Mit anarchistischen Grüssen,
Libertäre Aktion Winterthur


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