(de) Fauchthunrundmail: 14.5.08

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Wed May 14 18:26:19 CEST 2008


Agenda: ---- 16.Mai, ab 18. Uhr Ungebührliches Fest Waisenhausplatz 
gegen Bahnhofreglement www.bahnhofreglement-nein.ch  ---- 17.Mai, Unter 
dem Motto ?BLEIBERECHT JETZT: Legalisierung statt Kriminalisierung!? 
findet am Samstag, den 17. Mai der zweite Basler Marsch der Sans Papiers 
statt. Besammlung: 12.30 Uhr Margarethenpark. www.bleiberechtbern.ch  
www.sans-papiers.ch  ---- 18.Mai, Fauch Murifeld:Bleiberechtcafé 18.h 
Ungarisches Essen,Muristr. 75a Bern ---- 23.Mai , FAU-Bar im Denk:mal 
mit noch unbestimmten Them www.faubern.ch ---- 24.Mai, Lesung im 
Infoladen Bern "Neuer Anarchismus in den USA.." 21.00 mit Herausgeber 
Gabriel Kuhn ---- 26.Mai, Montagschicht der Fauch Zürich im Kasama  - 
www.kasama.ch  ---- 31.Mai Antifaschistische Solidarität statt 
nationalistische Konkurrenz! Heraus zum 8. Antifaschistischen 
Abendspaziergang um 20 Uhr bei der Heiligeistkirche /Untere Spitalgasse 
(wegen bahnhoffest) www.buendnis-gegen-rechts.ch  ---- 7.Juni, 
Dreiländerdemo  Thema:Bleiberecht & Prekarisierung "Jeder Mensch hat das 
Recht auf ein gutes Leben!?Freiburg  BRD www.utopie-leben.de
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Inhalt

1.Keine Räumung von "la Biu" Reclaim the Streets in Biel 10.5.
2.Strike Bike-Aktivist: »Wir waren zu gutgläubig«
3.Afrikanische TransportarbeiterInnen verhindern Massaker ( Flugi OSL Biel)
4.Antifaschistischer Abendspaziergang 8, Bern 31.Mai
5.Redebeitrag der FAU Berlin 1. Mai
6.Redebeitrag der FAU-Hannover zum 1. Mai

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1. Keine Räumung von "la Biu" Reclaim the Streets in Biel 10.5.
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Am Samstag 10. Mai fand im Rahmen verschiedener Aktionen für den
Erhalt von "La Biu" eine "Reclaim the Streets"-Party in Biel statt.
"La Biu" ist momentan das einzig besetzte Haus in Biel und soll für
ein paar lächerliche Parkplätze geräumt werden.

An einem schönen, fast schon sommermässigen, Samstag fanden sich gegen
14 Uhr immer wie mehr Leute auf dem Guisanplatz ein. Kurz vor Beginn,
tauchte dann das (erste) Soundmobil auf, "geschmückt" mit nem
Rehgeweih und mit den Plakaten zur Demo auf der Seite. Auf dem Boden
des Platzes wurden nach und nach einige Transparente ausgerollt, es
gesellte sich ein weiterer Wagen, von Leuten aus der Schrottbar, hinzu
und später kam dann noch gar ein drittes Soundmobil und eine mobile
Bar dazu.

Zu Beginn wurde eine kurze Ansprache auf Deutsch und Französisch
gehalten, welche auf den Grund für die Reclaim the Streets-Party
einging, wie auch die momentane Situation in Biel diskutierte. So
wurde unter anderem auch darauf eingegangen, dass neben der Coupole
nun ein paar Luxuswohnungen entstehen sollen und dieses ja dann nicht
mehr zusammen gehen würde.
Im Falle von "La Biu" wurde weiter darauf eingegangen, dass zuerst vor
allem Feuerpolizeiliche Gründe für den Abriss resp. die Räumung als
Argument vorgetragen wurden. Die Besetzerinnen haben jedoch
mittlerweile sämtliche dieser Mängel in eigenem Aufwand beseitigt. Das
scheint nun wiederum egal zu sein, womit der Räumungstermin vom 19.
Mai immer noch besteht und das Haus somit aktiv von der Räumung
bedroht ist.

Anschliessend startet die Reclaim the Streets und bahnte sich ihren
Weg durch all die Shoppingtouristen durch die Innenstadt, vorbei an
künstlichen EM-Fanzonen, EM-Fanartikel verkäufen usw.
Soundunterstützung war bestens da, so war von "GoGo Powerrangers" über
Crust-Punk, bis zu Techno, auf den drei Soundwagen alles vertreten.
Getanzt wurde zwar nicht sonderlich, der Umzug machte trotzdem
sichtlich Spass und es herrschte eine ausgelassene Stimmung.

Nach dem mensch etwa 1 1/2h durch die Stadt gezogen war, löste sich
der Umzug offiziell auf. Gemeinsam liefen dann noch Badewillige zuerst
zum "La Biu" um schlussendlich am See zu landen und dort mit weitere
Sound unterstützung, leckerem Essen usw. noch ne Weile zu verweilen.
Auch für Unterhaltung war weiterhin gesorgt, als Ordnungshüter
auftauchten, denen das Arrangement nicht passte. Schlussendlich
mussten sich jedoch auch diese geschlagen geben und wieder abziehen.

Die Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung aus der Galerie der
Autonomen Antifa Freiburg übernommen, wo sich noch mehr Bilder finden.
www.labiu.ch
www.autonome-antifa.org/spip.php?page=antifa&id_article=74&design=2

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2.Strike Bike-Aktivist: »Wir waren zu gutgläubig«
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Was bleibt vom Kampf um Bike Systems in Nordhausen? Ein Gespräch mit
André Kegel

Interview: Hans-Gerd Öfinger

André Kegel hat bei dem im vergangenen Jahr besetzten Thüringer
Fahrradwerk Bike Systems gearbeitet und ist Vorsitzender des Vereins
»Bike in Nordhausen e.V.«., der im Oktober 2007 eine Woche lang die
Produktion von »Strike Bikes« organisierte


Die Produktion von 1800 »Strike Bikes« durch die selbstverwaltete
Belegschaft von Bike Systems in Nordhausen liegt nun schon vier Monate
zurück. Was bleibt vom »Strike Bike« im Jahre 2008?

Allein durch die zweijährige Gewährleistung für unsere Kunden bleibt
das Strike Bike im Gespräch. Die Erinnerung an eine andere,
solidarische Art des Produzierens dürfen wir nicht verlieren.

Was ist aus dem Fabrikgebäude geworden, das die Belegschaft zum 1.
November 2007 geräumt hat?

Das steht noch leer. Wir haben jedoch die Hoffnung ? und das ist die
Zielsetzung des Vereins ? am Standort Nordhausen wieder Fahrräder zu
fertigen. Hierzu gründen wir eine GmbH und wollen in diesem Rahmen
möglichst ab Sommer zunächst mit 20 Menschen aus der bisherigen
Belegschaft hochwertige Fahrräder produzieren. Einzelheiten wird der
Verein in einer Versammlung entscheiden.

Warum nur 20 Beschäftigte?

Die alten Anlagen für eine größere Produktion hat der Konkursverwalter
entfernen lassen. Eine komplette Neuanschaffung würde unsere
finanziellen Möglichkeiten weit übersteigen. Daher fangen wir klein
und als Manufaktur an und wollen uns zunächst auf die handwerkliche
Produktion und Montage hochwertiger Fahrräder konzentrieren. Das ist,
nebenbei bemerkt, motivierender als stumpfsinnige Akkord- und
Fließbandarbeit.

Wie wollen Sie sich auf dem Fahrradmarkt mit seinem starken
Verdrängungswettbewerb behaupten?

Der Verdrängungswettbewerb findet vor allem auf dem Sektor der
Billigfahrräder statt ? in Betrieben mit hohem Produktionsausstoß.
Große Fahrradwerke nehmen Aufträge unter einer Stückzahl von 10000 gar
nicht erst an. Wir wollen uns hingegen auf die Produktion hochwertiger
und haltbarer Fahrräder zu einem akzeptablen Preis konzentrieren.
Hierfür entwickeln wir ein optimiertes »Strike Bike«. Manche der
Fahrradhändler, mit denen wir in Kontakt stehen, haben uns schon im
Herbst »Strike Bikes« abgenommen.

Ehemalige Aktivisten des Arbeitskampfs sind bei gewerkschaftlichen und
politischen Veranstaltungen sehr gefragt. Was wollen die Menschen
wissen?

Wir werden immer wieder gefragt: Wie kann man sich gegen drohende
Betriebsschließungen wehren, und was kann man machen? Wir sagen den
Leuten, sie sollen den Kopf nicht in den Sand stecken. Geht auf die
Barrikaden. Laßt euch nicht hinters Licht führen oder gegeneinander
ausspielen. Wir stehen in Kontakt mit den Kollegen von Nokia in Bochum
und wollen dem Betriebsrat symbolisch ein »Strike Bike« übergeben und
damit zeigen: Ihr steht nicht alleine da. So wollen wir anderen
Belegschaften Mut machen.

Was hätten Sie ? im nachhinein betrachtet ? anders gemacht?

Ganz einfach: Ich hätte gleich im Juni das Hoftor komplett zugemacht
und bewacht und somit den Abtransport von Material und Anlagen
verhindert. Wir waren zu gutgläubig und unerfahren. Man darf mit der
Gegenseite nicht lange diskutieren und Verhandlungen und verzettelte
Warnstreiks führen, sondern muß einen Schuß vorn Bug abfeuern, Tor zu
und Thema durch.

Monatelang hat die Belegschaft erfolglos einen Investor gesucht. Wird
sich das jetzt ändern?

Die GmbH wird von Leuten aus der Belegschaft gegründet. Es wird keine
Bevormundung durch Kapitalgeber stattfinden. Alle im Betrieb sollen
gleiches Mitspracherecht erhalten ? ob Montagearbeiter oder
Büroangestellte. Die Personalkosten werden auf der Basis eines
Einheitslohns für alle kalkuliert. Wenn sich der Betrieb hält und nach
einem Jahr Gewinne macht, soll die Belegschaft entscheiden, was damit
passiert, ob sie investiert oder verteilt werden oder was auch immer.


Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/02-19/059.php?sstr=strike%7Cbike

***schnipp***

Quelle2: http://www.jungewelt.de/2008/04-28/051.php?sstr=strike%7Cbike
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3.Afrikanische TransportarbeiterInnen verhindern Massaker
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Es hätte ein ganz normaler Waffendeal werden sollen und ein ganz
normales Massaker: Die chinesische Regierung wollte (unter
Stillschweigen des südafrikanischen Präsidenten Mbeki) dem
Mugabe-Regime in Simbabwe fast drei Millionen Patronen für
Kalaschnikow-Sturmgewehre, ungefähr 3500 Mörser sowie 1500 Raketen für
RPG-Raketenwerfer schicken. Damit soll die Opposition in Simbabwe
effizient fertiggemacht werden können. "Wir sind alle bewaffnet und
gehen zurück in den Krieg", sagte ein Milizionär der simbabwischen
Regierungspartei.

Doch die HafenarbeiterInnen von Durban/Südafrika weigerten sich, den
Frachter "An Yue Jiang" zu entladen.
Der Generalsekretär der südafrikanischen
TransportarbeiterInnengewerkschaft SATAWU sagte: "Unsere Mitglieder,
die am Durban Container Terminal arbeiten, werden diese Fracht nicht
entladen und kein einziges unserer Mitglieder im
Lastwagentransportsektor wird diese Fracht transportieren."
Daraufhin versuchte der Frachter zuerst einen Hafen des Nachbarlandes
Mosambique anzulaufen. Doch da wurde die Internationale
TransportarbeiterInnen-Föderation ITF aktiv und mobilisierte am 22.
April ihre Mitglieder im ganzen südlichen Afrika. Die daraufhin
eingeschüchterte Regierung von Mosambique verweigerte dem chinesischen
Waffenschiff das Einlaufen. Die gleiche Antwort bekam der Kapitän auch
von den Regierungen von Namibia und Angola.

Dies ist ein grosser Sieg und ein eindrückliches Zeichen von
Solidarität zwischen armen und unterdrückten Menschen auf der ganzen
Welt. Es zeigt, dass Widerstand nicht einfach nur ein Zeichen von
Menschlichkeit und Anteilnahme ist, sondern eine effiziente Waffe im
Kampf gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg.

Die Solidarität der Unterdrückten ist tausendmal stärker als die
Waffengewalt der Mächtigen - in Tibet, in Südafrika, in Simbabwe, in
China, in der Schweiz, auf der ganzen Welt!

[Update vom 29. April: Das Schiff hat nun doch in Luanda/Angola angedockt.
Ob die Waffen entladen werden, ist noch unklar. Siehe Weblog zu Simbabwe 
] .


(Ein Flyer von OSL Biel/Bienne, verteilt in Bern an der Tibet-Demo vom
16.04.08)
www.rebellion.ch
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4. 8 Antifaschistischer Abendspaziergang Bern 31.Mai
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Als Antwort auf die zunehmenden Übergriffe von Neonazis im Bahnhof und
dessen näheren Umgebung auf AusländerInnen und junge Punks begannen
wir im Jahr 1999 unseren Widerstand zu organisieren. Wir griffen zur
Selbsthilfe: begleiteten einander zu den Zügen, intervenierten bei
Übergriffen, organisierten Flugblatt- und weitere Aktionen sowie im
Jahr 2000 den ersten antifaschistischen Abendspaziergang. Besonders
diese Abendspazier-gänge, an welchen zeitweise mehrere tausend
Personen teilnahmen, wurden zu einer Tradition, und dies, obwohl nach
dem ersten Abendspaziergang nie mehr ein Bewilligungsgesuch
eingereicht wurde. Diese Tradition wurde im letzten Jahr unterbrochen,
um Raum und Zeit zu schaffen für eine breite Palette anderer
Aktionsformen. Im letzten Jahr konnte die gesamte antifaschistische
Bewegung dann auch viele Erfolge verbuchen: die gehackten PNOS-Mails,
der Stadtrundgang durch Bern, das antifaschistische Bürostuhlrennen,
das Kasperlitheater, die vielen Demos, das Grümpelturnier in
Solothurn, Konzerte, Aktionstage, das Antifa-Festival und die
Verhinderung des SVP-Marsches in Bern dürften euch noch in guter
Erinnerung sein. Gestärkt aus den positiven Erfahrungen der letzten
Monate, aus dem Bewusstsein, dass Widerstand auf der Strasse immer
noch notwendig ist, werden wir in diesem Jahr wieder mit einem
Abendspaziergang auf der Strasse präsent sein. Denn noch wartet viel
Arbeit auf uns: Rechtsextreme und reaktionäre Ideen erhalten
hierzulande zunehmend Auftrieb. Nationalismus und Konkurrenzdenken
sind weit verbreitet. Dabei sind es nicht die offensichtlichen
Rechtsextremen und Neonazis, die das grösste Problem darstellen. Auch
wenn aus diesen Kreisen eine erhebliche Gefahr für AusländerInnen und
Andersdenkende ausgeht.

Rechte Terrorjungs...
Denn auch im letzten Jahr kam es zu diversen Rechtsrock-Konzerten,
Neonazi-Aufmärschen und rassistischen Übergriffen. Im vergangenen Jahr
nahmen die Übergriffe sogar eine bislang unbekannte Qualität an. So
wurden beim Brandbombenanschlag auf die voll besetzte Grosse Halle
während des antifaschistischen Festivals Zeitzünder eingesetzt. Neu
ist hier vor allem der Schritt zu planmässig vorbereiteten Attentaten
mittels Zeitzünder. Dass Neonazis es durchaus darauf anlegen ihre
GegnerInnen zu ermorden, ist hingegen leider auch für die Schweizer
Szene nichts neues. Lebensgefährliche Schusswaffenangriffe und
Brandanschläge gegen AntifaschistInnen und AusländerInnen oder
Racheakte an rechtsextremen Aussteigern gab es in den vergangenen
Jahren schon zur Genüge. Andererseits gelang es den Neonazis im
letzten Jahr glücklicherweise nicht, grosse Sprünge zu machen, die
Szene ist nicht gross gewachsen und die meisten ihrer
Demo-Mobilisierungen wurden eher schlecht besucht. Nicht zuletzt dank
dem Widerstand der antifaschistischen Bewegung.

...braune Parteien...
Weit Besorgnis erregender ist dagegen die Entwicklung in der
Schweizerischen Parteienlandschaft. Die SVP steht der PNOS in Sachen
Rassismus inzwischen in nichts mehr nach. Die offen rassistischen
?Schäfchen-Plakate? wurden und werden von (neo-) faschistischen
Parteien in ganz Europa kopiert. Während im Ausland selbst die
bürgerliche Presse diese Entwicklung aufnimmt und kritisiert, ist in
der Schweiz höchstens ein beklemmendes Schweigen spürbar. Aus Angst
vor allfälligen Wahlverlusten und der direkten politischen
Auseinandersetzung wird von ?Links? bis Rechts geschwiegen. Da kann
der Hang der SVP zu Führerkult, Nationalismus, Autoritätsprinzip,
Patriarchat, Sozialdarwinismus, Konkurrenz, Ausgrenzung,
Überwachungsstaat und Rassismus noch so deutlich erkennbar sein.
Widerstand ist nicht in Sicht: Lieber reihen sich die ?linken?
Partei-StrategInnen ein in den bürgerlichen Block. Um den Rechten ?den
Wind aus den Segeln zu nehmen?, werden aus den Reihen der ?Linken?
noch repressivere Massnahmen gefordert, die letzten Ideale verraten.
So werden ? ?um die SVP zu bekämpfen", - letztlich deren Inhalte
übernommen.

...und repressive Politik
Diese Politik sieht dann so aus: Menschen, die dem Leistungsdruck
dieser Gesellschaft nicht standhalten, die Schwächsten dieser
Gesellschaft, werden zu Sündenböcken gemacht. Sie werden für die vom
kapitalistischen Wirtschaftssystem produzierten Missstände
verantwortlich gemacht und bekämpft. Dass es sich dabei um
Symptombekämpfung handelt, die nie fruchten wird, da die Ursachen eben
im System liegen, stört die Verantwortlichen nicht weiter. Das wollen
sie ja gerade: Die Wut der Menschen soll sich gegen unterdrückte
Minderheiten und nicht gegen die Herrschenden und den Kapitalismus
richten.
Doch die repressiven Massnahmen haben noch einen anderen Zweck: Mit
dem ausgebauten Repressionsapparat können auch alle, die Widerstand
gegen dieses System leisten, eingeschüchtert und unterdrückt werden.
Wegweisungsartikel und Videoüberwachung werden in immer mehr Schweizer
Städten eingeführt, MigrantInnen unter angedrohten Sanktionen zur
"Integration" gezwungen, widerständige Gassenküchen verboten,
Militär(material) wird zur Überwachung von SystemkritikerInnen
aufgefahren, Arbeitslose als ZwangsarbeiterInnen missbraucht
(Tieflohn-Beschäftigungen). Günstiger Wohnraum und innovative Wohn-
und Kulturprojekte müssen der Verwertungslogik weichen. Wer aufmuckt
wird fichiert, observiert, mit Rayonverbot belegt, gebüsst, verhaftet,
verprügelt, weggesperrt...

Solidarität statt Konkurrenz!
?Werthaltungen? der Bürgerlichen und inzwischen auch jene der
SozialdemokratInnen decken sich absolut mit denen der extremen
Rechten: Hierarchie, Besitz von Privateigentum und Konkurrenz gelten
als unumstössliche Grundprinzipien.
Dies spaltet die Gesellschaft und macht uns als Individuen leichter
angreifbar. So werden Klassen geschaffen und die Leute werden
innerhalb der unteren Klasse gegeneinander ausgespielt, damit sie ihre
gemeinsamen Interessen nicht erkennen und vertreten.
Da dienen internationale Megaevents wie die EM höchstens als
Feigenblatt, um die repressive, ausbeuterische Politik in das etwas
freundlichere Licht der "Völkerverständigung" zu rücken. Etwas
Zuckerbrot um die Peitschenhiebe erträglicher zu machen. Dabei bleiben
sogar die Zuckerbrote ungerecht verteilt. Wer bezahlen kann und über
das richtige Netzwerk verfügt, darf live mitfeiern. Für die anderen
bleibt vielleicht die Grossleinwand oder der Kasten zu Hause.
Beim genaueren Hinsehen erscheint hinter dem völkerverbindenden Fest
halt doch wieder das bekannte Muster: Nationalismus, Rassismus,
Sexismus, Spaltung, Überwachung, Repression, Verwertungslogik,
Gewinnmaximierung, für viele wenig und für wenige alles - Kapitalismus
halt.
Von wegen Fest für Alle!
Was wirklich für alle drin läge, wenn die Produktionsmittel nicht nur
wenigen gehören, sondern von der Basis verwaltet würden, bleibt
vorerst Wunschtraum. Ebenso eine Welt die auf Solidarität und
Gerechtigkeit statt auf Konkurrenz und Rassismus baut. Trotzdem können
und wollen wir uns nicht damit abfinden. Denn mit Mut und Willen,
gemeinsam für alle Ausgegrenzten und Ausgebeuteten einzustehen, lassen
sich auch hier und jetzt viele Erfolge feiern.

Deshalb: Antifaschistische Solidarität statt nationalistische Konkurrenz!

Wir zählen auf Dich!

Falls wir nicht spazieren können: Verschiebedatum 07. Juni 2008. Infos
auf Homepages und Handzetteln.
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5. Redebeitrag der FAU Berlin zum 1.Mai 08
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1. Mai 2008: Redebeitrag der FAU Berlin

Nach monatelanger Eiszeit sind die Straßen der Stadt endlich wieder
belebt. Die Menschen sitzen an einem Sonntag im April, bei angenehmen
20 Grad im Freien und trinken Café. Relaxen in der warmen Sonne.
Genießen die wiedergewonnene Freiheit. Zwischen den Gästen, im Café an
der Straße, bewegt sich Steffi von einem Tisch zum nächsten, nimmt
Bestellungen entgegen, räumt Tische ab, kassiert. Seit fünf Stunden
macht sie dies nun schon. Rücken und Füße schmerzen. Lieber würde sie
im Park liegen. Doch sie muss arbeiten. Ohne Lohn. Dies ist nun schon
ihre sechste unbezahlte Probeschicht in den letzten Tagen. Die zweite
in diesem Etablisement. Sie braucht diesen Job unbedingt, um das Geld
für die Mai-Miete aufbringen zu können. Deshalb lässt sie sich ihre
Müdigkeit nicht anmerken, arbeitet weiter bis die Schicht beendet ist
und liefert ihr Trinkgeld beim Chef ab.

Es ist der erste Tag des neuen Semesters. Die Studierenden strömen in
den völlig überfüllten Seminarraum. Agnes steht vor dem
Overheadprojektor und teilt den Studierenden mit, welche
Leistungsanforderungen der Professor festgelegt hat. Diese stöhnen.
Die Stimmung ist gedrückt, denn viele wissen nicht wie sie die Aufgabe
bewältigen sollen. Agnes rechtfertigt ihren Prof, dabei kann sie die
Studierenden gut verstehen, denn auch sie weiß nicht, wie sie das Geld
für sich und ihren 2 jährigen Sohn in den nächsten Monaten, neben dem
Job in der Uni, aufbringen soll. Denn sie arbeitet ohne Lohn. Sie
hofft im nächsten Semester einen bezahlten Lehrauftrag zu ergattern,
wenn sie sich in diesem Semester bewährt.

Es ist 7 Uhr morgens. Paul steigt aus der U-Bahn aus, verlässt den
Bahnhof und steuert das herrschaftliche Gebäude an, welches das
berühmte Varieté-Theater der Stadt beherbergt. Seine Laune ist mies,
es graut ihm vor dem Tag, den er nun mit seiner tyrannischen und
inkompetenten Vorgesetzten verbringen muss. Seit 6 Monaten arbeitet er
schon hier. Ohne Lohn. Als ?Traumrolle hinter den Kulissen? machte ihm
sein Sachbearbeiter im Job-Center das Praktikum schmackhaft. Nun
schuftet er jeden Tag hinter den Kulissen für die, die die
vermeintlichen Traumrollen ausfüllen. Von der Perspektive einer festen
Übernahme am Schauspielhaus, war schon seit seinem ersten Arbeitstag
nicht mehr die Rede. ?Er solle froh sein überhaupt Arbeit zu haben?,
wurde ihm entgegengehalten. Davon kann allerdings keine Rede sein,
denn Paul weiß nicht woher er das Geld nehmen soll, um seine Freundin
in London besuchen zu können, wo er den Beruf den er nun unbezahlt
ausübt gelernt hat. Er hat sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen.

Unbezahlte Lohnarbeit ist ein um sich greifendes Phänomen. In Zeiten
in denen das Selbsbewußtsein der Lohnabhängigen gering ist, lassen
sich Arbeitgeber immer perfidere Strategien einfallen um ArbeiterInnen
gegeneinander auszuspielen. Sowieso schon extrem mies bezahlte Jobs in
der Gastronomiebranche, werden in Spitzenzeiten durch unbezahlte
Probeschichtler ergänzt, welche von vorne herein keine Chance auf eine
feste Anstellung haben. Universitäten beuten Studierende aus, die sich
Hoffnungen auf eine akademische Karriere machen, in dem sie ihre
knappen Kassen entlasten und unbezahlte Lehraufträge zur Normalität
werden lassen. Gleichzeitig beuten Kultureinrichtungen junge
qualifizierte Arbeitslose als PraktikantInnen aus, während immer mehr
Festangestellte entlassen werden. Aufgezeigt werden könnte auch, wie
immer mehr Job im sozialen Bereich durch ehrenamtliche Stellen ersetzt
werden oder wie die Wirtschaft zunehmend auf die Angst der
ArbeiterInnen vor dem Verlust ihres Job´s setzt und sie immer mehr
unvergütete Überstunden machen lässt. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Für diese Entwicklung sind wir alle verantwortlich. Denn es ist keine
neue Erkenntnis, das es der einen Klasse daran gelegen ist möglichst
viel Mehrwert aus der anderen herauszupressen. Und auch wenn die
Grenzen zwischen diesen beiden Klassen heutzutage nicht mehr ganz so
klar zu zeichnen sind wie in früheren Zeiten, so funktioniert das
miese Spiel namens Kapitalismus nichts desto trotz immer noch nach den
gleichen Regeln wie damals. Der Klassenkampf von oben wurde über all
die Jahre weitergeführt, während sich große Teile der lohnabhängigen
Bevölkerung von den marktradikalen Parolen haben einschläfern lassen.
Wenn wir unsere eigenen Interessen wieder wahrnehmen, uns
organisieren, die Strategien den heutigen Verhältnissen anpassen und
Klassenkämpfe entwickeln, kann es uns gelingen die Kontrolle über
unser Leben zurückzugewinnen. Wenn es Steffi, Agnes und Paul schaffen
mit unserer Hilfe ihren Chefs den Fuck-Finger zu zeigen, können wir
dies als Grundlage nehmen, um uns das Vertrauen in die eigenen
Fähigkeiten wieder anzueignen und gemeinsam weitergehende Perspektiven
zu entwickeln. Der Kampf für Freiheit UND Gleichheit beginnt in
unserem Alltag! Lasst uns den Fehdehandschuh endlich wieder aufnehmen!
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6.Redebeitrag der FAU-Hannover zum 1. Mai
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Wie bereits im letzen Jahr hatte die Antifaschistische Aktion Hannover
[AAH] zu einem antikapitalitischen Block auf dem Demonstrationszug der
IG Metall aufgerufen. Zwischen 150 und 200 Personen folgten dem
Aufruf. In diesem Jahr war die FAU-Hannover nicht nur personell,
sondern auch mit einem Redebeitrag vertreten.

Liebe FreundInnen und GenossInnen,

Der 1.Mai hat viele Bedeutungen und ebenso viele Namen und als
Gewerkschaft verbindet uns ? die Freie ArbeiterInnen Union Hannover ?
viel mit dem 1.Mai: Als "Tag der Arbeit" Feiertag für die einen,
Trauertag für die anderen. Offiziell auch ?der Kampftag der Arbeiter-
und Arbeiterinnenbewegung?.

DER Kampftag? Müssen wir etwa die anderen 364 Tage nicht kämpfen? Der
Kapitalismus ist ja auch immer noch da. Trotzdem scheint das Kämpfen
nicht mehr wirklich angesagt zu sein.

?Gute Arbeit muss drin sein? ist das diesjährige Motte des DGB zum
1.Mai. Kein Wunder, sprechen doch die DGB-Gewerkschaften schon lange
lieber vom ?Tag der Arbeit?. Arbeiten und Schnauze halten passt besser
zum viel beschworenen ?soziale Frieden? als das Kämpfen, und es ist ja
auch bequemer. Da wird schnell ein bisschen ?gute Arbeit? gefordert
und alles ist fein. Wann kommen sie endlich mit dem Slogan ?Gute
Arbeit auch ohne Lohn???

Weit davon entfernt sind die FreundInnen der Sozialpartnerschaft nicht
mehr. So handeln die Gewerkschaften des DGB schon mal Tarif-Verträge
für unter 4,- Euro die Stunde aus. 3,85 Euro verdienen Frisöre im
ersten Berufsjahr in Sachsen ? brutto wohlgemerkt!

Im öffentlichen Dienst hat ver.di mit den neuen Abschlüssen im
Tarifvertrag TVöD angesichts der weiter steigenden Lebensmittel- und
Energiepreise gerade mal einen Inflationsausgleich erzielt. Glaubt
tatsächlich noch jemand, dass beim nächsten Abschluss mehr rausgeholt
wird? Sicher - mehr Arbeit...

Aber es gibt auch Ausnahmen: Die GDL-Mitglieder haben tatsächlich
monatelang gekämpft. Aber trotz ihrer kämpferischer Aktionen haben sie
sich am Ende von ihren Funktionären verarschen lassen. Von den 30%
Lohnsteigerung sind gerade mal 11% übrig geblieben. Gleichzeitig
werden fast alle Sonderzulagen gestrichen. Und selbst das gibt?s nicht
für alle: die in der GDL organisierten Schaffnerinnen und Schaffner
fallen auch noch ganz raus.

Das zeigt dann doch nur wieder, dass sich auch die noch so
kämpferischsten Gewerkschaften ohne eine antikapitalistische
Grundhaltung schnell im Dickicht nationaler Standortlogik und
egoistischer Berufsgruppeninteressen verfangen. Da wundert es auch
nicht mehr, dass Forschungen der gewerkschaftsnahen Stiftungen
rechtsradikales Gedankengut in den Reihen der Gewerkschaften
feststellen - und zwar bei gut 20% der Mitglieder...

So manche mag sich da zurücksehnen zur ?Guten alten Zeit? - als alles
noch so schön klar und einfach war. 1968 feiert ja dieses Jahr ihr
40stes. Zeit für Nostalgie, Zeit für verklärte Erinnerungen an Revolte
und Aufbruchstimmung? Wir finden nicht!

40 Jahre 1968. Das heißt 40 Jahre Zerschlagung des Prager Frühlings.
Die Truppen des Warschauer Pakts, unter ihnen auch die NVA - die ja
von der KPD, die mit ihrer DDR-Fahne auch wieder auf der Demo
vertreten ist, als Friedenstruppe abgefeiert wird - zerschlagen mit
ihren Soldaten und Panzern die Hoffnung von Tausenden auf einen
?Sozialismus mit menschlichem Antlitz?.

Der damalige französische Präsident, General Charles de Gaulle, steht
ebenfalls kurz davor Panzer einzusetzen. Gegen die Forderung 10.000er
Demonstrierender nach drastisch höheren Löhnen konzentriert er die
Truppen rund um Paris und droht mit ihrem Einsatz. Die anschließenden
Reformen auch der sich selbst als Sozialisten bezeichnenden
Sozialdemokraten verhindern das endgültige Zusammengehen von
StudentInnen und ArbeiterInnen ? der faktische Zusammenbruch der
Bewegung.

Und West-Deutschland? In der BRD werden die Notstandsgesetze als
Instrument gegen innere Unruhe im Parlament beschlossen. Auch mit den
Stimmen der SPD.

Alles in allem ist der 1. Mai also wohl doch ein Trauertag?

Auf 68 folgt die bleierne Zeit der 70er, mit Terroristenhatz und den
sozialdemokratischen Berufsverboten für Linke. Die ?geistig-moralische
Wende? der 80er mit Helmut Kohl beschert uns dann den verschärften
Sozialabbau und die Vorbereitung des Neoliberalismus.

Mit dem Zusammenbruch der UdSSR folgte dann auch kein Neubeginn. Mit
dem Eisernen Vorhang verschwanden leider nicht die Betonköpfe des
Staatskommunismus mit ihrer reflexhaften Politik. Vielmehr begann der
schleichende Zerfall aller linken Bewegungen erdrutschartige Ausmaße
anzunehmen ? der immer noch anhaltende Rechtsruck der Grünen gar nicht
mit eingerechnet...

Aber ? wie sich heute zeigt ? wir sind trotz allem immer noch da! Der
1.Mai ist unser Tag. Wenn wir auch nicht mehr so viele sind wie
früher, die Tradition des 1.Mai wird fortgesetzt. Und schließlich
heißt Tradition die Glut am Leben halten und nicht die Asche
weitertragen.

Der 1.Mai ist immer noch der Tag, an dem wir trotz FaschistInnen ? die
in Hamburg ja gerade wieder versuchen, ihre menschenverachtende
Politik zu präsentieren ? und der Polizei uns immer noch der Kämpfe
gegen Ausbeutung und Kapitalismus erinnern, Kraft sammeln und feiern.

Ja Feiern! Schließlich ist es nur dann unsere Revolution, wenn wir
auch tanzen können!

Zum Beispiel im Anschluss an die Demo im UJZ Korn.

Kommt und feiert mit uns ? denn am 2.Mai geht der Kampf wieder weiter!

Wir geben nicht klein bei ? bis zur sozialen Revolution!

Für den libertären Kommunismus und die soziale Anarchie!



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