(de) [FAU Berlin] Aktionstag Boesner

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Tue Jun 10 14:51:55 CEST 2008


Berlin, 10. Juni 2008 ---- Liebe Kolleginnen und Kollegen, ---- am 
vergangenen Samstag fand ein gewerkschaftlicher Aktionstag vor mehreren 
Filialen der Künstlerbedarfkette Boesner statt. In Berlin wurde eine 
Kundgebung vor der Filiale in Berlin-Prenzlauer Berg von der FAU Berlin 
in Kooperation mit der IWW organisiert. Näheres zu den Hintergründen 
entnehmen Sie bitte der unten dokumentierten Pressemitteilung der IWW Köln.

Kontakt zur Kölner Belegschaft: boesner at wobblies.de

Mit gewerkschaftlichen Grüßen

Frank Auerbach

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Boesner: Demokratie auch für ArbeiterInnen?

Protestaktionen vor Boesner-Fililaen in 5 Städten: Gegen die Verhinderung
betrieblicher Interessensvertretung, gegen unbezahlte Mehrarbeit

Am Samstag dem 7. Juni 2008 fanden zwichen 10 und 13 Uhr Protestaktionen
von den Filalen der Künstlebedarfskette boesner in Köln, Frankfurt am
Main, Berlin, Wien und Graz statt. Es ging um die Verhinderung einer
Betriebsratswahl im Januar 2008 in Köln und die Einführung der
Samstagsarbeit am 7. Juni 2008 in der Kölner Filiale. Zwischen beiden
Ereignissen besteht ein direkter Zusammenhang.

Es wurden Flugblätter an die Kundschaft verteilt, Redebeiträge gehalten,
lautstark und sichtbar auf die Behinderung und Einschüchterung aktiver und
kritischer ArbeiterInnen durch die Geschäftsleitung bei Boesner Köln
hingewiesen. Nicht wenige Kundinnen und Kunden fühlten sich angesprochen
und solidarisierten sich mit den Protestierenden.

Aufgerufen hatten die Industrial Workers of the World (IWW) im
deutschsprachigen Raum. Die IWW ist in der Kölner Filiale durch Mitglieder
vertreten und hat die versuchte Betriebsratsgründung in Köln in
Zusammenarbeit mit der Belegschaft begleitet.
Betriebsratsgründung verhindert

In der Kölner Boesner-Filiale arbeiten ca. 25 abhängig Beschäftigte. Laut
Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) dürfen sie einen Betriebsrat mit drei
Mitgliedern (und drei Stellvertretern) wählen. Als eine Gruppe von
Angestellten Anfang 2008 von diesem demokratischen Recht Gebrauch machen
wollte, führte sich die Geschäftsführerin und Gründerin der Kölner
Filiale, Carmen Gieselmann, auf, als wollte man sie enteignen und ihr
Privatvermögen in eine gemeinnützige Stiftung überführen.

Der Paragraph 119 des BetrVG stellt zwar jegliche Beeinflussung einer
Betriebsratswahl unter Strafe. Das kümmerte Frau Gieselmann allerdings
wenig. Sie setzte zwei außerordentliche Betriebsversammlungen nach
Feierabend an, auf denen sie - flankiert von ihren Günstlingen - die
Belegschaft mit Drohungen und rhetorischen Manövern in die Ecke trieb und
unter Rechtfertigungsdruck setzte. Es gab im wörtlichen Sinne Geschrei und
Geheule. Zudem wurden Beschäftigte in Einzelgesprächen unter Druck
gesetzt. Die massive Einflussnahme verfehlte ihre Wirkung nicht. Der
aktive Teil der Belegschaft zog die Betriebsratswahl entnervt zurück,
nachdem eine zunächst sicher scheinende Mehrheit abschmolz.


Zur Strafe: Samstagsarbeit

Die Einführung der Samstagsarbeit ist nun die Quittung für die
abgebrochene Betriebsratswahl. Zur Abdeckung des 6. Arbeitstages gibt es
bislang keine Neueinstellungen oder Wochenendzuschläge. Vielmehr wird die
Personaldecke an den einzelnen Tagen verkleinert, so dass z. B. an der
Kasse fortan 4 Leute stehen, anstatt wie bisher 5. Der Arbeitsdruck, der
zu Stoßzeiten schon erheblich ist, wird sich somit weiter steigern.

Boesner-Holding: Expansion nach amerikanischem Vorbild

Die Boesner-Kette hat in Deutschland momentan ca. 24 Filialen. Nach
unseren bisherigen Informationen gibt es lediglich in der Filiale Witten
einen Betriebsrat. Warum ist das so? Über eine Holding versucht Boesner
sein Business offenbar nach amerikanischen Vorbildern umzugestalten und
weiter zu expandieren. So stoßen Pläne in der Belegschaft auf Ablehnung,
nach dem Vorbild von Hamburger-Ketten und Baumärkten eine einheitliche
Berufskleidung einzuführen, die aus selbstbewussten und individuell
gekleideten Angestellten zum Verwechseln ähnliche durchgestylte
Service-Sklaven machen soll. Betriebsräte sind vermutlich unerwünscht,
weil sie die ungehemmte Expansion und beliebige Umgestaltung der
Boesner-Kette bremsen könnten.
Wir fordern:

·    Samstagsarbeit in Köln nur mit zusätzlichem Personal und
Wochenendzuschlag oder gar nicht!
·    Anerkennung des Rechts auf eine unabhängige betriebliche
Interessenvertretung und gewerkschaftliche Organisierung!

Auch wir ArbeiterInnen können expandieren!

An diesen ersten Protesten nahmen Mitglieder der Industrial Workers of the
World (IWW), der Freien ArbeiterInnen-Union (FAU) und der österreichischen
Föderation der ArbeiterInnen-Syndikate (FAS) sowie aktive Mitglieder
anderer Gewerkschaften teil.

Sollten bei Boesner in Köln die Rechte der ArbeiterInnen in Zukunft nicht
respektiert, werden, sind wir willens und fähig, zusammen mit unseren
FreundInnen und UnterstützerInnen den öffentlichen Druck weiter zu
erhöhen, ihn auf zahlreiche Städte - auch außerhalb des deutschsprachigen
Raums - zu erweitern.

Wir bitten um Berichterstattung!

Heiner Stuhlfauth / Delegierter der IWW Köln (stuhlfauth[a]wobblies.de)

PS: Die IWW Köln ist daran interessiert, Kontakt zu Beschäftigten aus
anderen boesner-Filialen zu bekommen. Interessierte können unter folgender
Mail-Adresse Kontakt mit den Kölner KollegInnen aufnehmen:
boesner[a]wobblies.de .


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