(de) FRAPE-Behr: Besetzung, Kundigungen und Schliessungsdrohung

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Wed Jan 16 08:27:02 CET 2008


Der Konflikt um den Rationalisierungsangriff bei FRAPE-BEHR in Barcelona hat 
sich erneut weiter zugespitzt. Während die Belegschaft die Fabrik weiterhin 
besetzt hält, hat das Management nach Presseberichten beim katalanischen 
Arbeitsministerium die Genehmigung zur zeitweisen Totalschließung des Werkes 
aufgrund von "Sicherheitsbedenken" beantragt. Am Freitag, den 11. Januar wurde 
außerdem den ersten Beschäftigten ihre Kündigungen per Einschreiben zugestellt.
DIE BESETZUNG GEHT WEITER ---- Etwa 50 ArbeiterInnen halten weiterhin das 
Werksgelände besetzt obwohl die katalanische Aufständsbekämpfungspolizei von 
ihnen im Auftrag der Firmenleitung das sofortige Verlassen des Geländes 
gefordert und mit einer gewaltsamen Räumung gedroht hat. Nachts kommen weitere 
Arbeiter auf das Gelände, nachdem es einen erfolglosen Versuch des Werkschutzes
gegeben hat, die BesetzerInnen zu vertreiben. Vor dem Werk haben sich 
UnterstützerInnen versammelt und eingerichtet. Am Donnerstag wurde eine weitere 
Kundgebung am Sitz der Behörde für Arbeit und Industrie in der Calle Sepúlveda 
abgehalten.

SCHLIESSUNGSDROHUNG

Kurz vor der Kundgebung erschien eine Pressemeldung, wonach das
Management der Stuttgarter Konzerntochter bei der Regionalverwaltung die
vorläufige Schließung des Werkes aufgrund von "Sicherheitsbedenken"
beantragt haben soll. Ein Mitarbeiter der Arbeitsbehörde erschien wenig
später im Werk, um sich ein Bild von angeblichen "Zerstörungen" der
Produktionsanlagen zu machen.

DIE KÜNDIGUNGEN TREFFEN EIN

Am Freitag, den 11. Januar 2008, trafen per Einschreiben bei den ersten
ArbeiterInnen die Kündigungsschreiben von Frape-Behr ein. Die
katalanische Regionalregierung hatte zuvor einem Antrag des Managements
auf Genehmigung eines Entlassungs- und Sozialplans (ERE) zugestimmt, der
die kurzfristige Entlassung von 92 der 295 Beschäftigten vorsieht. Die
Firma wollte jedoch nicht ausschließen, dass es darüber hinaus zu
weiteren Kündigungen kommen wird.

DER WIDERSTAND GEHT WEITER

Die Vollversammlung der ArbeiterInnen hat angekündigt, dass der
Widerstand der Belegschaft auch angesichts von Kündigungen und
Schließungsdrohungen weiter gehen wird. So wurde vor einigen Tagen u.a.
eine Widerstandskasse eingerichtet und ein Unterstützungskonto eröffnet.
Für die Betriebsgruppe der CNT ist die Besetzung der Schlüssel zum
Erfolg des weiteren Kampfes. Sie wendet sich deshalb gegen jeden Versuch
von Seiten der Führung der anderen im Betrieb präsenten Gewerkschaften,
die Belegschaft zu bedrängen, die Besetzung zu beenden.

SOLIDARITÄT IST GEFRAGT

Zur Unterstützung der Belegschaft hat die Gewerkschaft "Freie
ArbeiterInnen Union" (FAU-IAA) eine Protestkarte herausgegeben, die an
die Firmenleitung der Konzernmutter mit Sitz in Stuttgart adressiert
ist. Die erste Auflage der Postkarte ist mittlerweile vergriffen (wofür
wir auch vielen A-INFOS-LeserInnen danken), eine Nachauflage erscheint
in Kürze. Die Karte kann in Einheiten zu 20 Stück bei fau-mat at gmx.de
bestellt werden und kostet pro Einheit 5,- Euro inkl. Versand. Die
Überschüsse gehen an die Widerstandskasse der Belegschaft. Wer sich
dafür interessiert, warum sich bislang weder der (Euro-)Betriebsrat der
Behr-Gruppe noch die Betriebsgruppe der IG Metall in der Stuttgarter
Zentrale veranlasst gesehen haben, irgendeine Stellung zu den Angriffen
auf die Belegschaft in Barcelona zu nehmen, möchte vielleicht dort
nachfragen.

ZUM WEITERLESEN:

Weiterführende und aktualisierte Informationen zum Konflikt bei
Frape-Behr finden sich u.a. auf folgenden Websites:

www.fau.org
barcelona.cnt.es (Spanisch)
cnt-frape.blogspot.com (Spanisch)
www.iwa-ait.org/solidarity.html (Englisch)


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