(de) Fauchthunrundmail: 15.1.08 Ein sattes Geschaft: Abschiebung auf Probe

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Tue Jan 15 22:46:21 CET 2008


Heute, den 15.1.2008, soll Dickson Richard von München nach Nigeria abgeschoben 
werden. Ob der abgelehnte Asylbewerber wirklich Nigerianer ist, kann niemand mit 
Sicherheit sagen. Die nigerianische Botschaft in Berlin stimmte der Abschiebung 
mit der Begründung zu, man sei in Nigeria besser in der Lage, die Herkunft 
Dicksons zu überprüfen. ---- Notfalls könne man ihn wieder zurück schicken. 
Beteiligt euch an den Protesten! --- Eine Rolle könnte spielen, dass die 
nigerianischen Botschaftsvertreter nach letzten Angaben 500 Euro Kopfgeld für 
jede Abschiebezustimmung von den Ausländerbehörden erhalten. ?Vor dem 
Hintergrund der florierenden Korruption in Nigeria ist dieses Vorgehen mehr als 
skandalös?, so Catherine Graue von der Karawane-München.

Die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen - München
versucht jetzt noch, die Abschiebung zu verhindern. Durch Protest soll
die Abschiebe-airline Alitalia dazu bewegt werden, Dicksons Flug zu
stornieren.


Ruft bei Alitalia an und fordert, dass Dickson nicht transportiert wird,
da er nicht freiwillig fliegt!

Erwähnt dabei, dass er bereits angekündigt hat sich zu wehren und dass
dadurch seine eigene, sowie die Sicherheit des gesamten Fluges
gefährdet werden kann. Da letztendlich der Pilot die volle
Verantwortung für die Sicherheit an Bord trägt, sollte es im Interesse
der Fluggesellschaft liegen, solch ein Risiko zu vermeiden. Außerdem
wäre Alitalia höchstwahrscheinlich auch für den Rücktransport nach
Deutschland
zuständig, wenn der Weiterflug von Mailand aus am Widerstand des
Betroffenen scheitert.

Telefonnummern von Alitalia:


RESERVIERUNG DEUTSCHLAND
Tel.: 01805 - 07 47 47
Mo-Fr: 08.00 - 19.00 Uhr

DIREKTION / VERWALTUNG
FÜR DEUTSCHLAND, SCHWEIZ & ÖSTERREICH
Tel.: 069-69505202




Hintergrund

Der 24-Jährige Asylsuchende ist seit drei Jahren in Deutschland.
Seither lebte er in einem Flüchtlingslager in Neuburg an der Donau. Da
sein Asylantrag abgelehnt wurde, ist er ausreisepflichtig, doch bisher
ist unklar wo Dickson Richard überhaupt herkommt. Er selber gab an,
aus dem Sudan zu stammen. Dies bezweifelte die Ausländerbehörde und
ließ ihn auf einer Sammelvorführung im August 2007 bei der
nigerianischen Botschaft vorsprechen. Diese vermutete daraufhin, dass
der junge Mann aus Nigeria stamme, bestimmte Stammesnarben würden
daraufhin deuten. Aufgrund dieser Narben sei er den Yoruba zuzuordnen,
die jedoch nicht nur in Nigeria, sondern auch in Benin, Ghana und Togo
leben. Dass die Botschaft der Abschiebung nur aufgrund einer
vermuteten Staatsangehörigkeit zustimmte, begründeten die
Botschaftsvertrerter unter anderem damit, dass in Nigeria endgültig
die Staatsangehörigkeit geklärt werden könne - andernfalls würde er
wieder zurück nach Deutschland geschickt.

Da bisher kein einziger Fall bekannt ist, bei dem in Nigeria die
Staatsangehörigkeit eines Abgeschobenen überprüft wurde, scheint das
nur ein Ablenkungsmanöver zu sein. Denn an jeder Abschiebung nach
Nigeria verdienen die Botschaftsvertreter, die der Abschiebung
zustimmen, mit. Für ein ?Interview zur Identitätsklärung von
Flüchtlingen?, wie es mit Dickson Richard geführt wurde, erhielten
nigerianische Botschaftsvertreter 2006 noch 250 Euro von der
Bundespolizei. Weitere 250 Euro Erfolgsprämie bekamen die Vertreter
eines der korruptesten Länder der Welt, wenn ein ?Travel Certificate?
ausgestellt wurde, das eine sofortige Abschiebung abgelehnter
Asylbewerber ermöglicht. (Quelle: Spiegel 45/2006)

Insgesamt verdienen die Botschaftsvertreter also 500 Euro mit der
Abschiebung. Im Einzelfall kein hoher Betrag, wenn jedoch wie im
August in München insgesamt 135 angebliche NigerianerInnen zur
Botschaftsvorführung geladen werden, ein satter Gewinn. Sollte nur für
die Hälfte der geladenen Flüchtlinge die volle Prämie gezahlt werden:
33.750 Euro.
    http://htttp://www.carava.net


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