(de) Sozialarbeiter: Personen in prekaren Arbeitsverhaltnissen im Dienste des Prekariats

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Sun Jan 6 19:11:40 CET 2008


Die Ambivalenz der Funktion des Sozialarbeiters ist bekannt. Zuständig den am 
meisten Ausgebeuteten und Ärmsten zu helfen, ist der Sozialarbeiter gleichzeitig 
eines der Instrumente für den sozialen Frieden, eine notwendige Vorraussetzung 
für das gute Funktionieren dieser Ausbeutungs-und Profitgesellschaft. Da er 
täglich diese schizophrene Situation erlebt, ist er dauernd dem Zynismus der 
Macht ausgesetzt und mit der Not der benachteiligten, verarmten und 
ausgestoßenen Bevölkerungsschichten konfrontiert. Unter der Schirmherrschaft 
insbesondere der sozialistischen Macht wurde die Verwaltung der Armut in den 
80-er Jahren durch die Vermehrung von Vereinen, genannt Sozialhilfe, Hilfe durch 
Arbeit oder Resozialisierung, rationalisiert. Das Geschäft lohnt sich! Der 
Staat, das Land und die Gemeinde wälzen die Verwaltung der Armut auf diese 
Verein gegen eine gewissen finanziellen Unterstützung ab, um den Laden am Laufen 
zu halten. Wackliger Status, Mindestlohn, Wahnsinnsstunden; der Sozialarbeiter 
befindet sich in einer Falle,. Angesichts der Not der Hilfsbedürftigen schuftet 
er meistens ohne Bezahlung, jongliert mit Behördengängen, den willkürlichen 
Gesetzen, den niederträchtigen Verordnungen, und versucht in diesem 
Papierkram-Labyrinth seinen Gleichgesinnten zu helfen, aufrecht stehen zu 
bleiben und einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden, in die das System 
unerbittlich gerät.


Aber die 80-er Jahre liegen sehr weit zurück. Die Zeit der väterlichen
Almosenist vorbei. Heute wird dem Sozialsektor befohlen, sich an die
Marktgesetze anzupassen, die zu der Not sowie zu dem Rest der Gesellschaft
passen. Die Schlüsselwörter haben sich verändert! Berechnung, Kontrolle,
Rentabilität, Produktivität, das sind die neuen Werte, die das
Funktionieren des Sozialbereiches beherrschen. Bis auf wenige Ausnahmen
haben sich die staatlichen Hilfen für die Resozialisierungsvereine weiter
verringert, während sich die Forderungen der Mächtigen noch verstärkt
haben. Unter dem Deckmantel der Resozialisierung wird der Sozialarbeiter
ungewollt zu einem Polizeispitzel, ein Kontrolleur der Not, eine
Polizeihilfskraft, die die Überwachung der aus dem System ausgestoßenen
Personen übernimmt. Und die Leute irren sich dabei nicht. Viele verzichten
auf ihr Recht auf das Realeinkommen, um die Kontrolle über ihr Leben zu
vermeiden, ihre Art und Weise in diesem Zustand zu überleben. Und
zahlreiche Ausgeschlossene haben noch ganz andere Schwierigkeiten zu
erleiden, da sie nicht den Verwaltungsnormen entsprechen, die Bedingung
sind, diese Almosen zu erhalten.

Man fühlt es täglich; die Not ist mehr als ein Übel, das man ausmerzen
muss, es ist ein gefährlicher Makel geworden, der verwaltet, beherrscht
und betreut werden soll. Diese Wiederholung betrifft alle: den
Ausgeschlossenen sowie den Sozialarbeiter. Aufgrund der gekürzten
Subventionen verringern die Vereine ihre Ausgaben. Die Situation des
Sozialarbeiters ist von da an nicht so weit entfernt von dem seines
„Klienten.“ Wiederholter befristeter Vertrag... CES [Contrats emploi
solidarité: Programm zur Beschäftigung für Arbeitslose an Schule],
Zeitaufwand, Teilzeitarbeit, Mindestlohn .... sind meistens die
Arbeitsbedingungen des Erziehers XY. Und die ungerechte Seite der
Situation will, dass man nicht selten feststellt, dass die Leiter dieser
Vereine sich gleichzeitig Löhne von mehreren tausenden Euros pro Monat
zahlen lassen.

Personen im Zustand des Prekariats um das Prekariat zu betreuen, das muss
man sich einmal überlegen. In Montauban fragte ein Sozialarbeiter voriges
Monat einen „Klienten“, der wegen Behördengängen kam, welchen Beruf er
ausübte, bevor er die Schrecken der Arbeitslosigkeit kennen lernte, und
dann den Mindestlohn: „Erzieher“, antwortet er, „aber aus Mangel an
Subventionen hat der Verein zugesperrt“.

{{{Die Zukunft des Sozialarbeiters lautet: Verschwinden!}}}

Eine Hilfsorganisation zu gründen, bedeutet zu beschließen, dass diese
Organisation mit Dauer umgesetzt wird, dass es kein konjunkturelles
Ereignis ist, sondern eine Struktur, die integraler Bestandteil des
kapitalistischen System ist.

Es ist auch Aufgabe der Sozialarbeiter die Rolle zu verstehen, die man sie
spielen lassen will. In einer Gesellschaft, in der Recht und Gerechtigkeit
herrschen, wäre die Zukunft des Sozialarbeiters so schnell wie möglich zu
verschwinden.

CNT AIT
108 rue Damrémont
75018 PARIS
(France)
contact at cnt-ait.info
http://cnt-ait.info
forum : http://cnt.ait.caen.free.fr/forum

Vielen Dank an LISA für die Übersetzung!

http://lisasyndikat.wordpress.com/2008/01/02/soziale-arbeit-eine-interpretat
ion-der-cnt-ait/


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