(de) Erklärung der ArbeiterInnen-Versammlung in der besetzten GSEE-Gewerkschaftszentrale in Athen

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Sun Dec 21 17:32:15 CET 2008


Entweder wir bestimmen unsere Geschichte selbst, oder andere werden sie
ohne uns bestimmen ---- Wir, einheimische oder migrantische
HandarbeiterInnen, Angestellte, Erwerbslose, ZeitarbeiterInnen sind
keine passiven TV-GlotzerInnen. Seit dem Mord an Alexandros
Grigoropoulos Samstag Nacht nehmen wir an den Demonstrationen teil, an
den Zusammenstößen mit der Polizei, den Besetzungen der Innenstadt oder
der Wohnviertel. Immer wieder haben wir unsere Arbeit und unsere
täglichen Verpflichtungen sausen lassen um mit den SchülerInnen,
StudentInnen und den anderen kämpfenden ProletarierInnen auf die Straße
zu gehen.

Wir haben entschieden, das Gebäude der GSEE zu besetzen

* Um es in einen Ort des freien Meinungsaustausches und in einen
Treffpunkt für ArbeiterInnen zu verwandeln

* Um den von den Medien verbreiteten Irrglauben zu zerstören, dass die
ArbeiterInnen nicht an den Zusammenstößen der letzten Tage beteiligt
waren oder sind sodnern dass diese Sache von 500 "Vermummten",
"Hooligans" und anderen Ammenmärchen seien. Auf den Fernsehschirmen
werden die ArbeiterInnen als Opfer der Unruhen dargestellt, während
gleichzeitig die kapitalistische Krise in Griechenland und der
restlichen Welt zu unzähligen Entlassungen führt, die von den Medien und
ihren Managern als "natürliches Phänomen" behandelt werden.

* Um die Rolle der Gewerkschaftsbürokratie bei der Untergrabung des
Aufstandes – und nicht nur dort – aufzudecken. Die GSEE und der ganze
seit Jahrzehnten dahintersteckende gewerkschaftliche Mechanismus,
untergraben die Kämpfe, handeln Brotkrumen für unsere Arbeitskraft aus
und verewigen das System der Ausbeutung und der Lohnsklaverei. Das
Vorgehen der GSEE an letzten Mittwoch (dem Tag des Generalstreiks -
Anmerkung www.fau.org) ist ziemlich erhellend: Die GSEE setzte eine
vorgesehen Demonstration der streikenden ArbeiterInnen ab, stattdessen
gab es eine kurze Kundgebung am Syntagma Platz, bei der sie gleichzeitig
dafür sorgte, dass die Leute sich in aller Eile den Platz verließen, aus
Furcht davor, dass sie mit dem Virus des Aufstandes infiziert werden
könnten.

* Um diesen Ort, der mit unseren Beiträgen erbaut wurde, von dem wir
aber ausgeschlossen waren, zum ersten Mal zu einem offenen Ort zu
machen. Einem offenen Ort in Fortsetzung der sozialen Öffnung, die der
Aufstand hervorgebracht hat. All die vielen Jahre haben wir an unser
Schicksal geglaubt, die Retter für alles Mögliche zu sein und haben
dabei unsere Würde verloren. Als ArbeiterInnen müssen wir unsere Dinge
selbst in die Hand nehmen und Schluss damit machen, unsere Hoffnungen
auf kluge Anführer oder "fähige" Vertreter zu übertragen. Wir müssen uns
gegen den Großangriff, der auf geführt wird, eine eigene Stimme erobern,
uns treffen, miteinander reden, zusammen entscheiden und handeln. Der
Aufbau von kollektivem Basis-Widerstand ist der einzige Weg dazu.

* Um die Idee von Selbstorganisaton und Solidarität in den Betrieben,
den Kampfkomitees und dem kollektiven Handeln der Basis zu verbreiten
und dadurch die bürokratischen Gewerkschaften abzuschaffen.

All die Jahre haben wir das Elend hinuntergeschluckt, die Zuhälterei,
die Gewalt auf der Arbeit. Wir haben uns daran gewöhnt, die
Verkrüppelten und die Toten - die sogenannten "Arbeitsunfälle" - einfach
nur noch zu zählen. Wir haben uns daran gewöhnt, zu ignorieren, dass die
MigrantInnen, unsere Klassengeschwister, getötet werden. Wir haben die
Schnauze voll davon, mit der Angst um unseren Lohn, die Steuern und eine
Rente zu leben, die sich mittlerweile wie ein in die Ferne entrückter
Traum anfühlt.

So wie wir darum kämpfen, unsere Leben nicht an die Bosse Bosse und die
Gewerkschaftsvertreter zu verlieren, so werden wir auch keinen der
verhafteten Aufständischen alleine lassen, die sich in den Händen des
Staates und der Justizmaschine befinden.

Sofortige Freilassung der Festgenommenen!
Keine Strafe für die Verhafteten!
Selbstorganisation der ArbeiterInnen!
Generalstreik!

Die ArbeiterInnen-Versammlung im "befreiten" Gebäude der GSEE
Mittwoch, 17. Dezember 2008, 18:00

Die Generalversammlung der aufständischen ArbeiterInnen


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