(de) Carl-von-Ossietzky-Medaille 2008 an "Anarchisten gegen die Mauer“ und Bil’in Popular Committee

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Tue Dec 2 03:10:41 CET 2008


Das Kuratorium nominierte zwei Gruppen, die wegen ihres mutigen
Einsatzes für die Menschenrechte geehrt werden sollen:  ---- die
„Anarchisten gegen die Mauer“ aus Israel (Anarchists Against the Wall)
www.awalls.org/about_aatw ---- das Bürgerkomitee des Dorfes Bil’in aus
Palästina (Bil’in Popular Committee) www.bilin-village.org/english/.

Der israelische Journalist und Friedensaktivist Uri Avnery wird als
Ehrengast auf dem Festakt und auch auf der Pressekonferenz sprechen.

Im sechzigsten Jahr nach der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte am 10. Dezember 1948 durch die Vollversammlung der
Vereinten Nationen hat die Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille
für herausragende Verdienste bei der Verwirklichung der Grund- und
Menschenrechte eine besondere Bedeutung.

Am 4. Mai jährte sich zum 70. Mal der Todestag des Friedensnobelpreis-
trägers und Pazifisten Carl von Ossietzky, der wegen seines
entschlossenen Widerstands gegen Militarismus, Krieg und Rassismus in
das Konzentrationslager Sonnenburg (heute in der Stadt Slonsk in Polen)
verschleppt und grausamer Folter ausgesetzt wurde. Vor diesem
Hintergrund würdigt das Kuratorium die Zivilcourage der Organi­sationen,
die - ganz im Sinne von Carl von Ossietzky – den wechselseitigen
Feindseligkeiten, die in der israelischen und palästinensischen
Gesellschaft vorherrschen, den gemeinsamen Kampf für gemeinsame Anliegen
entgegensetzen.

Sie stehen beispielhaft für den gewaltfreien Widerstand gegen die von
Israel errichtete Trennungsmauer auf palästinensischem Land sowie für
Standhaftigkeit in vielfältigen Graswurzelaktionen von Palästinensern,
Israelis und internatio­nalen Unterstützerinnen und Unterstützern gegen
die israelische Besatzung der Westbank und des Gazastreifens. Sie
praktizieren eine Kultur, die eine gemeinsame Zukunft ohne Ausgrenzung
und Zerstörung vorwegnimmt und demonstrieren bewusst, dass ein
Zusammenleben in Freiheit und Frieden möglich ist.

Sie vertreten ihre Sache auch konsequent auf der internationalen Bühne:

So hat das palästinensische Dorf Bil’in zwei kanadische Immobilien-
unternehmen vor dem Obersten Gerichtshof von Quebec wegen Beteiligung an
Bauvorhaben in der Siedlung Modi’in Illit verklagt, die zu einem großen
Teil auf dem Bo­den Bil’ins errichtet wurde. Die Gruppen wurden von
jungen Aktivisten und Aktivistinnen etwa zeitgleich gegründet

Die „Anarchisten gegen die Mauer“ im Jahre 2003 als Antwort auf die
israelische Errichtung der Mauer. Das Bil’iner Bürgerkomitee entstand im
Dezember 2004 als Reaktion auf den von Israel geplanten und inzwischen
vollständig gebauten Sperrzaun, der das Dorf von 60 Prozent seiner
Felder und Olivenhaine trennt.

Beide Organisationen verdanken ihre Wirkung in der Öffentlichkeit
Israels und Palästinas ihrer parteipo­litisch unabhängigen, selbst
bestimmten, transparenten und gewaltfreien Praxis. Ihre gemeinsamen, vom
Bil’iner Bürgerkomitee seit Februar 2005 ausnahmslos an jedem Freitag
organisierten Demonstra­tionen am Sperrzaun von Bil’in, haben zur
Entstehung eines breiten internationalen Solidaritäts- und
Schutznetzwerks geführt. Israelische Grenzsoldaten feuern dort
regelmäßig aus nächster Nähe Trä­nengas-, Gummi-ummantelten Stahl- und
neuerdings mit Gestankgeschosse ab. Sie schrecken selbst nicht davor
zurück, Demonstranten und Demonstrantinnen – zum Teil schwere –
Körperverletzungen zuzufügen

Das Kuratorium der Internationalen Liga für Menschenrechte verbindet mit
der Nominierung der „Anarchisten gegen die Mauer“ sowie des „Bil’iner
Bürgerkomitees“ die Überzeugung, dass die Zivil­courage, mit der sie
Behinderungen und Gefahren im Interesse des gemeinsamen Engagements für
eine lebenswerte Zukunft überwinden, für die universelle Verwirklichung
der Ideale der Allgemeinen Er­klärung der Menschenrechte vorbildlich und
im Zeitalter der Globalisierung über die Grenzen Israels und Palästinas
hinaus bedeutsam ist.

Uri Avnery wird gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Rachel Avnery an der
Auszeichnung teilnehmen und als Ehrengast auf dem Festakt und auch auf
der Pressekonferenz sprechen.

Avnery erhielt im Jahre 2001 mit Rachel und der Friedensgruppe Gush
Shalom den Stockholmer Alter­nativen Friedensnobelpreis, wurde 2002 mit
dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg geehrt, 1997 mit dem
Aachener Friedenspreis und 1995 mit dem Erich-Maria-Remarque-Preis der
Stadt Osnabrück

Der Festakt zur diesjährigen Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille
2008 findet am 07. Dezember 2008, von 11:00 bis 13:00 Uhr im Haus der
Kulturen der Welt in Berlin statt.


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