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Wed Sep 5 21:00:21 CEST 2007


1. Probe-Castortransport nach Gorleben unterwegs 2. Testcastor kurz hinter 
Lüneburg von AktivistInnen gestoppt! 3. Medienmitteilung des Antifa Festivals 4. 
Europaweites Nazitreffen in Jena - Widerstand ist angesgat! ---- 1. Probe- 
Castortransport nach Gorleben unterwegs Bürgerinitiative kündigt Proteste an der 
Transportstrecke an Nach Informationen der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow 
Dannenberg (BI) ist gestern Nachmittag ein Probe-Castortransport aus dem 
französischen La Hague nach Gorleben gestartet, der vermutlich früh in Gorleben 
zu erwarten ist. Der neue unbeladene Atommüll- Behältertyp (CASTOR HAW 28 M) 
wurde wahrscheinlich in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage auf Belade- 
und Verladetauglichkeit getestet. Nun soll mit einer genehmigungstechnisch 
vorgeschriebenen sogenannten Kalthantierung in Gorleben ein Sicherheitsnachweis 
für Transport, Verladung und weiteren Umgang erbracht werden.



Die wendländische BI kündigt Proteste gegen den Transport an. ?Diese

Testfahrt bereitet die nächsten Transporte mit hochradioaktivem

Atommüll vor?, begründet dies der BI-Sprecher. ?Jeder Castortransport

in die oberirdische Zwischenlagerhalle erzeugt einen überflüssigen

Sachzwang auf den Gorlebener Salzstock als umstrittenen und angeblich

noch gar nicht festgelegten Endlagerstandort. Seit den frühen 80er

Jahren ist bekannt, dass über dem Salzstock auf über sechs

Quadratkilometern ein abschließendes Deckgebirge fehlt und damit

hochradioaktive Stoffe zwangsläufig über Wasserwege an die Oberfläche

gelangen werden?. Seit inzwischen über 30 Jahren fordert die BI

deshalb den Standort Gorleben aufzugeben und keinen weiteren Atommüll

mehr zu produzieren.



Hintergrund: Der neue deutsch Behältertyp Castor HAW 28 M sollte

ursprünglich bereits 2006 eine verkehrsrechtliche Zulassung bekommen

und in diesem Jahr mit heißem Müll nach Gorleben rollen. Dieses Ziel

konnte nicht eingehalten werden, Castortransporte in diesem Jahr

wurden abgesagt. Die BI vermutet technische Probleme. Stattdessen

sollen 2008 zwölf Behälter französischen Typs (TN 85) aus der

französischen Plutoniumfabrik La Hague nach Gorleben rollen. Dieser

französische Behältertyp hat im Mai diesen Jahres unter Protesten eine

Kalthantierung in Gorleben durchlaufen.



Wegen erhöhten Abbrands der zuletzt aus deutschen Atommeilern nach La

Hague gelieferten Brennelemente und der daraus resultierenden höheren

Wärmeleistung des Atommülls sollte ein Behälter entwickelt werden.

Dieser muss die drastisch höhere Temperatur aushalten und die enorm

erhöhte Gamma- und Neutronenstrahlung abschirmen. Die Wärmeleistung

erhöht sich von 45 kW um über 20% auf 56 kW. Etwa eine Minute

Aufenthalt in 1 m Entfernung eines unabgeschirmten Castorbehälters

würde beim Menschen eine tödliche Dosis verursachen. Das

Gesamtinventar eines Behälters entspricht etwa 20% der bei der

Tschernobylkatastrophe freigesetzten Strahlung. Die BI bemängelt, dass

der exakte Stand der Dinge zum Behälter der Öffentlichkeit bislang

trotz Anfragen bei Genehmigungsbehörden verschwiegen wird.



2. Testcastor kurz hinter Lüneburg von AktivistInnen gestoppt!



Der Testcastor nach Gorleben wurde schon kurz hinter Lüneburg im Wald

gestoppt.

Es gelang Aktiviten auf das Dach der Lokomotive zu steigen.

Auch am Dannenberger Verladekran versuchten Demonstranten zwei LKWs,

die mit den Castor-Abdeckhauben beladen sind, zu stoppen.

Die Polizei ist mit einer riesen Anzahl von Fahrzeugen und Beamten im

Einsatz, dennoch scheinen sie die Bahnstrecke nicht unter Kontrolle zu

haben. Dem Vernehmen nach benötigt der BGS dringend Verstängung bei

Harlingen. Am Verladekran ist es derzeit ruhig, allerding treffen

immer mehr Polizeifahrzeuge ein.



Stand: 10 Uhr



3.Medienmitteilung des Antifa Festivals

04.09.2007



Sehr geehrte Medienschaffende



Mit Betroffenheit haben wir die Nachricht von den Anschlägen auf die

beiden Politiker Nationalrat Engelberger (NW) und den Urner

Regierungsrat Dittli aufgenommen.



Erschreckend finden wir aber, dass in diesem Zusammenhang der Anschlag

vom 4. August auf das Antifa Festival in Bern totgeschwiegen wird. Aus

unserer Sicht haben sämtlich Anschläge einen Zusammenhang. Sie haben

ganz klar das Ziel politische GegnerInnen von rechtsextremen Kreisen

einzuschüchtern, oder wie beim Antifa Festival gar zu töten.



Der Press zu entnehmen war, dass auch diese Sprengsätze wieder mit

einem Zündmechanismus gezündet worden waren. Dies war auch bei jenem

auf dem Rütli am 1. August und bei jenem am Antifa Festival am 4.

August der Fall.



Wie wir schon bei unserer ersten Pressemitteilung am 5. August gesagt

haben, gibt es in der Schweiz offenbar rechtsextreme Strukturen die

vor nichts zurückschrecken. Dies ist eine äusserst erschreckende

Entwicklung und muss unbedingt Einhalt geboten werden. In diesem

Zusammenhang fordern wir ein weiteres mal in aller Deutlichkeit, dass

solche Vorfälle nicht verharmlost werden!



Leider muss aber festgehalten werden, dass diese Entwicklung nicht

losgelöst von dem allgemeinen rechten Trend in der Gesellschaft

gesehen werden kann. Dieser Trend wird massgeblich von Parteien wie

der SVP, SD und PNOS getragen und gepusht. Gestärkt vom allgemeinen

Fremdenhass, Nationalismus und Rassismus welcher zur Zeit in breiten

Kreisen der Gesellschaft wieder salonfähig wird, fühlen sich die

TäterInnen in ihren braunen Gedanken bestärkt und zur Tat motiviert.



Nie wieder Faschismus

Das Festivalteam



Unsere bisherigen Medienmitteilungen

5. August  http://www.antifafestival.ch/allerlei/anschlag.html

6. August  http://www.antifafestival.ch/allerlei/anschlag2.html





4. Europaweites Nazitreffen in Jena - Widerstand ist angesgat!



   Für den 8. September soll zum zweiten Mal das europaweit beworbene

Nazifestival "Fest der Völker" in Jena stattfinden. Mit dem Spektakel

treibt die NPD die europäische Vernetzung faschistischer Parteien

innerhalb der ENF voran. Neben internationalen Naziführern treten

Bands aus dem verbotenen Blood & Honour-Netzwerk auf. Einigendes Band

zwischen Freien Kameradschaften, faschistischen Parteien und radikalen

Schlägerskins ist die Verherrlichung des 3.Reiches, antisemitische

Verschwörungsphantasien und rassistische Hetze. Dass das Event

ausgerechnet in Thüringen stattfindet ist kein Zufall: das Bundesland

hat sich zum "braunen Herz Deutschlands" entwickelt. Ein Verbot zog

die Stadt, trotz der offensichtlichen Fortführung der verbotenen

B&H-Strukturen, nicht in Betracht. In Jena regt sich

antifaschistischer Protest.

"Fest der Völker" als Vernetzungstreffen der europäischen Rechten



Der Untertitel des Nazifestes "Für ein Europa der Vaterländer", ist

gleichzeitig die Parole der ENF (Europäische Nationale Front), eine im

ständigen Ausbau befindliche Wahlplattform europäischer faschistischer

Parteien. Der Ausbau der 2004 gegründeten ENF geschieht maßgeblich

unter Federführung der NPD und der rechtsextremen Partei Spaniens "La

Falange".



Die ENF vertritt das Konzept des Ethnopluralismus und spricht sich in

ihrem Grundsatzprogramm gegen Homosexualität, den Eintritt Israels und

der Türkei in die EU aus und will dem "Europa der

Globalisierungsfanatiker, der Geschäftemacher und des zerstörerischen

Seperatismus der Globalisierungsfanatiker" ein "Europa der

Vaterländer" entgegensetzen.



Bisher ist das ideologische Bündnis jedoch kaum in Erscheinung getreten.



Das soll sich bald ändern: Mit dem "Fest der Völker", als Treffpunkt

der ENF, "unabhängiger Nationalisten und Organisatoren des

B&H-Netzwerks, treiben die Organisatoren, NPD und Freie

Kameradschaften, die europäische Vernetzung unter der ENF voran.

Internationale Nazikader und NS-Verherrlicher



Angekündigt sind insgesamt 13 Redner, darunter Gottfried Küssel;

bekennender Nationalsozialist aus Österreich und Auschwitzleugner.

Küssel saß zehn Jahre im Knast, weil er wiederholt gegen das

NS-Verbotsgesetz verstoßen hatte. Seine Verurteilung im Jahr 1994

löste eine Serie von Briefbombenattentaten aus. Küssel ist innerhalb

der Naziszene sehr bekannt und dürfte einer der Hauptredner des Tages

werden.



Außerdem wird Udo Voigt, Bundesvorsitzender der NPD auftreten. Gegen

den NPD-Führer läuft momentan ein Ermittlungsverfahren wegen

Volksverhetzung: Voigt forderte auf der Hess-Ersatz-Demo in Jena, den

Friedensnobelpreis für den NS-Verbrecher.



Voigt pflegt enge Kontakte zum ebenfalls als Redner angekündigten

Vertreter Zsolt "Elek" Illés des ungarischen Blood-& Honour-Ablegers

"Vér és Becsület Kulturális Egyesület" (dt. "Kulturverband Blut und

Ehre"). Voigt, der mit einer NPD-Delegation im Februar 2007 Gast beim

alljährlichen Gedenken ungarischer Nazis am "Tag der Ehre" war, trat

dort als Redner vor etwa 1000 Nazis auf. Mit dem "Tag der Ehre"

verherrlichen die Nazis ihre Vorbilder: am 10. Februar 1945 führten

ungarische Truppen zusammen mit SS-Einheiten die völlig aussichtslose

Verteidigungsschlacht gegen die Rote Armee. Auf der Veranstaltung war

auch die (im Jahr 2004 verbotenene) B&H-Abteilung Ungarn mit einem

Transparent vertreten. (siehe:

http://jena.antifa.net/fdv/index.php/Recherche/redner). Ebenfalls am

10. Februar in Budapest: Nick Giohalas aus Griechenland, Mitglied der

ENF und Stephen "Swiny" Swinfen, britischer Faschist und Führer des

B&H-Netzwerkes. Beide werden beim "Fest der Völker" als Redner

angekündigt.



Am 13. Februar, drei Tage später, waren Swinfen und Illes beim

jährlichen "Trauermarsches" anlässlich der Bombardierung Dresdens. Die

geschichtsrevisionistische und NS-verherrlichende Demonstration ist

eine der bedeutendsten regelmäßigen Veranstaltungen der europäischen

Naziszene.



Infos zu Rednern:



http://jena.antifa.net/fdv/index.php/home/142-npd-fest-der-voelker-dient-dem-aufbau-der-europaeischen-nationalen-front

http://asj.jena.antifa.net/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=20&Itemid=33 

<http://asj.jena.antifa.net/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=20&Itemid=33> 





und

http://de.indymedia.org/2007/09/193308.shtml

Fortführung des B&H-Netzwerks



Dass die Organisatoren des "Fest der Völker" auf gute Kontake zum

verbotenen Blood-&Honour- Netzwerk zurückgreifen, wird bei einem Blick

auf die angekündigten Bands deutlich. B&H wurde 2000 verboten,

Durchsuchungen im gesamten Bundesgebiet im Herbst 2006 bestätigten das

Fortbestehen des militanten Neoenazinetzwerks. Allein in Thüringen

wurden 11 Wohnungen durchsucht.



Die angekündigten Bands stehen nachgewiesener maßen in engem

Zusammenhang mit dem B&H-Netzwerk: so trat die in der Szene bekannte

britische RAC-Band "Brutal Attack" bereits in den 80er Jahren zusammen

mit B&H-Gründer Ian Stuart auf. In Internetvideos ist zu sehen, wie

die Band vor einem B&H-Transparent spielt



Weiterhin soll die tschechische Band "Conflict 88" beim "Fest der

Völker" auftreten. Regelmäßige Konzerte in Böhmen, organisiert von

"Combat 18" (B&H-Böhmen) und der militanten Neonazi-Organisation

"Narodní Odpor" werden von bis zu 500 Kameraden aus Deutschland und

der Tschechischen Republik besucht. "Sieg Heil"-Rufe und

antisemitische Ausfälle gehören bei solchen Konzerten zum

Standardrepertoire der Teilnehmer.



mehr Infos:



http://de.indymedia.org/2007/08/192592.shtml

http://jena.antifa.net/fdv/index.php/Recherche/bands und

http://asj.jena.antifa.net/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=30 

<http://asj.jena.antifa.net/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=30>

NS-Verherrlichung als einigendes Band europäischer Faschisten



Einigendes Band zwischen faschistischen Parteien, "Freien

Kameradschaften" und brutalen Schlägerskins ist die Verherrlichung des

Nationalsozialismus, die Glorifizierung der NS-Verbrecher und die

Verdrehung der Geschichte. Aufmärsche, wie der in Dresden oder das

Hess-Gedenken in Wunsiedel besitzen für die Szene eine enorme

Anziehungskraft.



Deutlich wird das auch durch den Titel der Veranstaltung: "Fest der

Völker" ist dem Olympia-Film Leni Riefenstahls, Nazifilmproduzentin

und enger Vertrauter Hitlers, den sie 1936 anlässlich der Olympiade in

NS-Deutschland drehte entnommen. Organisatoren, Redner und Bands

stellen sich offen in die Tradition des Dritten Reiches.

Das "Fest der Völker" 2005 und 2006



2005 meldete der Kader Ralf Wohlleben das "Fest der Völker" erstmalig

an. Die Organisatoren kündigten neun bekannte B&H-Bands und dreizehn

Redner an. Darunter die italienische Band "Block11", die sich nach dem

Todesblock in Auschwitz benannt hat und eng mit den "Veneto Fronte

Skinheads", einer brutalen Skinheadschlägertruppe aus Italien

zusammenarbeitet.



Ein breites Bündnis aus bürgerlichen und antifaschistischen Gruppen

schaffte es, den für die Nazis vorgesehenen Platz in den Morgenstunden

zu besetzen, sodass die nur etwa 500 angereisten Faschisten dem wegen

der zeitlichen Verzögerungen nur teilweise durchgeführten Programm auf

einem Baumarkt-Parkplatz am Rande der Stadt lauschen konnten.



Sammlung von Indymedia-Veröffentlichungen:

http://de.indymedia.org/2005/06/119919.shtml



Auswertungspapier zu antifaschisitischen Gegenaktivitäten 2005:

http://www1.autistici.org/jena06/vorjahr/auswertungspapier2005.html



Zum nur teilweise gelungenen "Fest" 2005 kam für die Nazis 2006 ein

schwerer finanzieller Schlag hinzu: das für den 10. Juni abermalig

angemeldete "Fest der Völker 2" wurde aufgrund der Überschneidung mit

der Fußballweltmeisterschaft verboten. Als Verbotsgrund führte die

Stadt "polizeilichen Notstand" an.



Die Nazis erlitten dadurch einen schweren finanziellen Verlust:

gemietete Bühne, Toi-Toi's, bereits eingeflogene Gäste verschlangen

Unmengen an Geldern. Die roten Zahlen versuchten Ralf Wohlleben und

Co. durch den Verkauf von "Soli-T-Hemden" wieder wett zu machen.



mehr Infos:



Indymedia-Feature vom FDV 2006: http://de.indymedia.org/2006/05/147507.shtml

http://de.indymedia.org/2006/06/149645.shtml und

http://www1.autistici.org/jena06/news/polizeinotstand.html



Der Ausgang des diesjährigen "Fest der Völker" dürfte entscheidend für

die Fortführung des Vorhabens sein. 2008 wird die Thüringer NPD mit

dem Landtagswahlkampf für 2009 finanziell gut ausgelastet sein, ein

finanzielles Desaster wie 2006 werden die Organisatoren nicht

verkraften. Zudem würde ein abermals misslungenes Fest deren

Glaubwürdigkeit nochmals enorm herabsetzen und das

Mobilisierungspotential für ein geplantes "Fest der Völker 3" deutlich

mindern.

Thüringen als Schauplatz rechter Konzert-Reihen



Thüringer Nazis etablieren seit langem eine Tradition rechtsextremer

Aufmärsche und Konzert-Veranstaltungen. Das "Fest der Völker" in Jena

fügt sich in eine Reihe ähnlicher Konzert-Veranstaltungen in Thüringen

ein.



Seit 2003 führt der dortige NPD-Kreisverband jährlich in Gera das

Rechtsrockfestival "Rock für Deutschland" durch, bei dem

rechtsradikale Bands wie Legion of Thor, die auch zum FDV 2005

angekündigt war, neben Rednern der NPD und "Freier Kameradschaften"

auftreten. Ebenfalls jährlich findet seit 2001 das vom Charakter her

ähnliche Fest "Thüringentag der nationalen Jugend" statt.



Thüringen ist beliebtes Auftrittsgebiet deutscher und europäischer
Nazibands:



Ein Beispiel hierfür ist das 2005 im Schützenhof in Pößneck

durchgeführte Abschiedskonzert von Michael Regener, Sänger der

verbotenen Band "Landser", der unter dem Pseudonym "Lunikoff

Verschwörung" vor insgesamt 1000 Zuhörern auftrat.



Allein im Jahr 2005 wurden 31 rechtsextreme Konzerte durchgeführt oder

während dessen abgebrochen (2006 zählt mobit 29). Es spielten vor

allem Bands aus Thüringen und dem Bundesgebiet, aber auch aus dem

europäischen Ausland.



Die Konzerte wurden von bis zu 600 Nazis besucht.



Die Organisatoren- NPD und Freie Kameradschaften- versuchen gerade mit

der öffentlichen Durchführung solcher Veranstaltungen "national

befreite Zonen" auf Zeit zu schaffen und neues Publikum über gelungene

Veranstaltungen an die Szene heranzuführen. Gerade in Städten wie Jena

ist die Übernahme der kulturellen Hegemonie durch die Nazis noch nicht

geglückt. Anders als in anderen Städten wurde der Versuch der

öffentlichen Durchführung solcher Rechts-Rock-Veranstaltung behindert

oder ein Desaster für die Nazis.

Nazis versuchen in Thüringen bundes- und europaweit bedeutende

Aufmärsche zu etablieren



Neben regelmäßigen öffentlichen und konspirativ organisierten

Rechts-Rock-Konzerten, wird Thüringen zum beliebeten Aufmarschgebiet

der Nazis: am 1. Mai reisten etwa 1300 Faschisten nach Erfurt; der

größte Naziaufmarsch in Thüringen seit 1992

(http://jena.antifa.net/alerta/Alerta1.pdf).



Der Aufmarsch konnte durch Blockaden gestoppt werden, die Nazis

mussten nach stundenlangem Warten unverrichteter Dinge wieder

abziehen. Das dürfte ein entscheidender Faktor für die

Mobilisierungskraft der Nazis sein: zog es 2006 zur

Ersatzveranstaltung des in Wunsiedel verbotenen Hess-Gedenkmarsches

noch etwa 500 Faschos aus dem In-und Ausland nach Jena, waren es 2007

nur noch etwa 300. Dennoch war die Rudolf-Hess-Demo in Jena die größte

aller bundesweit durchgeführten Ersatzveranstaltungen. Konnten im

vergangenen Jahr die Kameraden noch Jürgen Rieger, Head des

Wunsiedel-Komitees, in Jena als Gast und Hauptact begrüßen, zog es in

diesem Jahr die NPD-Führungsspitze Udo Voigt zum Ersatzgedenken.



zum Rudolf-Hess-Gedenkmarsch in Jena:

http://de.indymedia.org/2007/08/191514.shtml.

Das zweite "Fest der Völker" 2007



Angesichts des Mißerfolgs 2005 und des Verbotes 2006, sowie des

verhinderten Aufmarsches am 1. Mai in Erfurt, ist davon auszugehen,

dass es nicht mehr als 800 Nazis nach Jena zieht.



Auch fehlen in diesem Jahr international bekannte Nazigrößen, wie

Mario Machado 2006; das Angebot an massenhaft Publikum ziehenden Bands

ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunken und fällt auch

qualitativ schlechter aus.



Positiv auf die Mobilisierung dürften sich dennoch die, im Gegensatz

zu den vergangenen Jahren, klare Rechtslage und die am 18.08.

erfolgreich durchgeführte Demonstration erweisen.

Antifaschistische Aktivitäten



Für den Vortag, den 07.09. hat die NPD eine Pressekonferenz unter

Teilnahme von Udo Voigt und anderen internationalen Naziführern

angekündigt. Diese findet in einem Gebäude der Stadt im Stadtzentrum

statt. Proteste wurden angekündigt.



Die Nazis haben den Platz bereits ab dem Vorabend des 08.09.

angenmeldet, um Platzbesetzungen zu verhindern und Technik und

Dixie-Klos schon aufzubauen.



Ein breites bürgerliches und antifaschistischen Bündnis mobilisiert

zur Kundgebung ab 10 Uhr in die Oberaue, einem Park, etwa 80 Meter vom

Veranstaltungsort der Nazis entfernt.In diesem Jahr, werden im

Unterschied zu den vergangenen Jahren, Blockaden nicht durch die

Blume, sondern offensiv beworben und in der breiten Öffentlichkeit

diskutiert.



Die Jugend-, Aktions und Projektwerkstatt Jena fand mit ihrem Aufruf

zu massenhaften Blockaden, nach dem Vorbild der erfolgreichen Proteste

am 1. Mai in Erfurt und den Blockaden des G8-Gipfels, breite

Zustimmung. Insgesamt 28 Unterstützer, vom Landesvorstand der Bündnis

90/ Die Grünen über Gewerkschaften, bis hin zu autonomen

Antifaschistischen Gruppen, haben den Aufruf unterschrieben. Nach dem

harten Polizeieinsatz in Jena am 18.08., wo unter massiven

Polizeischutz und äußerst rabiaten Vorgehen der Polizeiführung gegen

jeglichen antifaschistischen Protest, das Hess-Gedenken ermöglicht

wurde, sieht die JAPS die Notwendigkeit des Offensiven Vorgehens noch

einmal mehr.



Für die Tage im Vorfeld des Nazi-Festes und den 8. selbst sind

zahlreiche Gegen-Veranstaltungen geplant:



- Mittwoch bis Freitag abend: Marathon-Kundgebung Jenaer Bürgerinnen

und Bürger beim Seidelplatz

- Mittwoch 16 Uhr: Blockadetraining für alle Interessierten ab 16 Uhr

HS 4 der Universität (CZ-Str.3)

- Samstag 9.30 Uhr Holzmarkt: Demonstration durch die Innenstadt

- Samstag: 8.45 Uhr Demonstration aus Lobeda-Altstadt in die Oberaue

- Samstag ab 10 Uhr: Kundgebung in der Oberaue "Für eine humane

Gesellschaft kämpfen - Gegen Rechtsextremismus handeln"



mehr Infos:



jena.antifa.net und

asj.jena.antifa.net

    http://jena.antifa.net/fdv



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