(de) Fauchthunrundmail 23.8.07 Sacco & Vanzetti

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Sun Aug 26 13:34:11 CEST 2007


Vor 80 Jahren wurden Sacco und Vanzetti hingerichtet, weil sie 
Anarchisten waren. Sacco und Vanzetti - Einwanderer aus Italien - waren 
aktive Anarchisten in den USA und dort vor allem in der Freien Bildung 
sehr aktiv und bekannt. Der Mord an einem Lohnbuchhalter - von einem 
begangen - wurde als Vorwand benutzt, um ihnen den Prozess zu machen. 
Für einfache anarchistische Arbeiter gabs anschliessend eine riesige 
weltweite Kampagne für ihre Freilassung. Umsonst - in der Nacht vom 
23./24. August 1927 wurden sie hingerichtet. 
link:http://media.de.indymedia.org/media/2007/08//191789.mp3 Nicola 
Sacco (geb. 1891 in Torremaggiore/Foggia) und Bartholomeo Vanzetti (geb. 
1888 in Villa Faletto/Cuneo) wurden in der Nacht vom 23.8. auf den 
24.8.1927 im Staatsgefängnis von Charleston, Massachusetts auf den 
elektrischen Stuhl hingerichtet.

 

Sacco war Arbeiter in einer Schuhfabrik und Vanzetti, gelernter

Konditor, verkaufte als ungelernter Arbeiter zur Zeit seiner

Verhaftung Fische. Sie waren 1908 mit großen Hoffnungen aus Italien in

die USA eingewandert, da sie dort die Chance für ein besseres Leben

sahen. Dort lernten sie sich innerhalb der ArbeiterInnenbewegung

kennen, und zwar in den Gruppen um Galleani und Tresca, die

anarchistische Zeitungen herausgaben. Schon damals hatten sie eine

freiheitlich-sozialistische Einstellung. Um ihrer Einberufung zum

Wehrdienst zu entgehen, fuhren sie zusammen mit anderen Genossen nach

Mexiko und wurden Freunde.

 

Am 5.5.1920 wurden Sacco und Vancetti in New York verhaftet. Ihnen

wurde vorgeworfen am 15.4.1920 in South Braintree, Massachusetts einen

Raubmord an dem Lohnbuchhalter Palmenter und dem Wächter Berardelli

begangen zu haben. Aufgrund ihres öffentlichen Engagement innerhalb

der ArbeiterInnenbewegung, ihres Kampfes um allgemeinbildende Schulen

und das Recht auf Bildung sowie ihrer anarchistischen Einstellung

wollten die staatlichen Institutionen eine Verurteilung zum Tode um

jeden Preis.

 

Obwohl Sacco und Vanzetti Alibis für die fragliche Zeit hatten, wurden

Entlastungszeugen nicht vernommen, Beweismittel zurückgehalten und

eine parteiisches Geschworenengericht auf den Fall angesetzt. Richter

Webster Thayer ließ es sich nicht nehmen in aller Öffentlichkeit zu

verlauten: "Denen werden wir's schon zeigen, und die Kerle aufhängen."

 

So kam es, daß Sacco und Vanzetti am 31.3.1921 in Dedham zum Tode

verurteilt wurden. Das Justizverbrechen steuerte dem Mord entgegen.

Doch das Todesurteil löste in der ArbeiterInnenschaft Amerikas, und

nicht nur dort, einen Sturm der Entrüstung aus, so daß sich ein

langjähriger Kampf mit einer weltweiten Solidaritätskampagne um die

Aufhebung des Urteils entspann.

 

Der Portugiese Celestino Madeiros, der wegen Raubmordes zu Tode

verurteilt war, ließ am 18.11.1925 Sacco einen Zettel im Gefängnis

zukommen mit den Worten: "Ich bekenne hiermit, an dem Verbrechen in

South Braintree beteiligt gewesen zu sein, Sacco und Vanzetti sind

dagegen nicht dabei gewesen."

Dies wurde zudem noch von einem Komplizen belegt. Der Raubmord war das

Werk der Morelli-Bande gewesen. Doch selbst diese Aussagen

beeindruckte die amerikanische Justiz nicht.

 

Die Revisonseingaben wurden abgewiesen. Der Gouverneur von

Masachusetts, Fuller, lehnte alle Gesuche ab.

 

Als ein Hinrichtungstermin 1927 am 10.8.1927 bekannt wurde, kam es

wegen zweier einfacher Arbeiter zu einer bis dahin noch nie gesehenen

Protestwelle rings um den Erdball. Es kam zu vielen Anschlägen,

gewaltigen Demonstrationen und wilden Streiks bis hin zu

Generalstreiks in Südamerika. Dabei waren durch harte, staatliche

Unterdrückungsmaßnahmen etliche Menschenleben zu beklagen. In Genf

stürmte eine empörte Masse das Völkerbundgebäude und schlug den

berühmten Glassaal in Trümmer.

 

Selbst gesetzgebende Körperschaften forderten Gouverneur Fuller auf,

die beiden Anarchisten freizugeben.

Alle US-Botschaften wurden streng bewacht. In Tokio zog sich der

US-Botschafter auf seinen Landsitz zurück. In vielen Städten

Deutschland protestierten ArbeiterInnen. In Berlin gab es eine

Riesendemonstration. Selbst die amerikanische Presse berichtete nun

von "Unstimmigkeiten" während des Prozesses.

 

Doch der amerikanische Staat demonstrierte Härte. Letztendlich wurde

das Urteil in der Nacht vom 23. auf den 24.8.1927 vollstreckt.

Zusammen mit Sacco und Vancetti wurde Madeiros hingerichtet.

 

Sacco und Vanzettis Vermächtnis aus der Todeszelle:

"Macht aus unseren Leiden, aus unserem Schmerz, unseren Fehlern,

unseren Niederlagen und aus unseren Leidenschaften für die künftigen

Schlachten und die große Emanzipation ein kostbares Gut."

 

Im Juli 1977 gab der Gouverneur von Massachusetts eine Ehrenerklärung

für Sacco und Vancetti und deren Familien ab.



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